Die Landesregierung sei ausserstande gewesen, «rasch auf den zunehmenden Druck aus dem Ausland zu reagieren», schreibt «Die Südostschweiz» in ihrem Kommentar. Der Entscheid vom Freitag sei nun «nichts als ein logischer Schritt».
Die Schweiz habe «gar keine andere Wahl» gehabt. Wäre sie auf der Schwarzen Liste gelandet, «wären die Konsequenzen für den Finanzplatz weit verheerender gewesen». In den nun anstehenden «Marathonverhandlungen» müsse Bern hart bleiben und verhindern, dass für die Schweiz härtere Regeln gelten als für andere OECD-Länder.
Die «NZZ Online» ist der Meinung, dass die Schweiz nun auch Gegenforderungen stellen könne, etwa von Deutschland eine Öffnung des Heimmarktes. Und dann brauche es Regelungen wie eine Amnestie für die heutigen Steuersünder mit Schweizer Bankkonten.
Die Lockerung des Bankgeheimnisses für Steuerdelikte sei unausweichlich geworden. Am Schluss hätte der Schweiz gedroht, «praktisch allein auf einer schwarzen OECD-Liste der Steuersünder» zu landen. Bern habe das einzig richtige getan: «Wer sich in diesem Spiel nicht bewegt, verliert».
Die international entstandene «Dynamik konnte der Bundesrat nicht mehr kontrollieren», schreibt die «Basler Zeitung». Über den entstandenen Scherbenhaufen, den der «Bundesrat Merz gestern schönzureden versuchte, kann sich eigentlich nur einer freuen: der ehrliche Steuerzahler», meint die BaZ.
Die Waadtländer Zeitung «24 heures» zieht einen Vergleich mit der Sportwelt: Das schweizerische Bankgeheimnis sei von den mächtigsten Ländern der Welt auf die Dopingliste gesetzt worden. Ohne Zugeständnis hätte die Schweiz riskiert, vom Spiel ausgeschlossen zu werden.
Deshalb müsse aber noch lange nicht vom modernen Karbon-Velo auf einen alten Drahtesel gewechselt werden. Bei den jetzt folgenden Verhandlungen sei der Ball in der Schweizer Hälfte.
Auch die «Tribune de Genève» bedient sich des Sport-Jargons: «Das ist nicht das Ende des Sprints, sondern der Beginn des Marathons». Und «Le Temps» spricht von einem fürchterlichen Schlag für den Finanzplatz, auch wenn «Zuverlässigkeit, Fachwissen und die Schweizer Stabilität Trümpfe» blieben. Aber es seien ein Kulturwandel und eine Gewissensprüfung in Gang gesetzt worden.
(bru/sda)