Ein Vorgehen wie bei den Razzien der Schweizer Bankfilialen vom vergangenen Mittwoch sei einmalig, sagte der frühere Tessiner Staatsanwalt und heutige Wirtschaftsanwalt am Donnerstag in einem Interview der Mailänder Tageszeitung «Corriere della Sera». Nicht einmal gegen die Mafia seien die italienischen Behörden derart rigoros vorgegangen. Auf Aussagen des italienischen Finanzministers Giulio Tremonti angesprochen, wonach die Schweiz wegen des ungenügenden Informationsaustausches immer noch als Steuerparadies betrachtet werde, sagte Bernasconi, die Schweiz habe riesige Schritte gemacht.
So sei es im Unterschied zu Finanzplätzen wie London oder New York nicht mehr möglich, in der Schweiz Konten zu eröffnen, ohne den wirtschaftlich Berechtigten offenzulegen. Auf die Kritik der mangelnden Transparenz auf dem Schweizer Finanzplatz entgegnete Bernasconi, die Schweiz wende seit dem vergangenen April das internationale Betrugsbekämpfungsabkommen an, während Italien seines Wissens dies nicht tue.
Bernasconi glaubt aber nicht, dass die Schweiz nun Retorsionsmassnahmen gegen die Umsetzung der italienischen Steueramnestie erlassen wird. Beide Länder seien seit Jahrzehnten durch internationale Abkommen verbunden. Dies werde nicht durch Massnahmen der politischen Konjunktur geopfert, die Politiker beider Länder erfänden.
(sam/ap)