Christliche Gotteskrieger proben den Guerillakrieg

Von Hugo Stamm . Aktualisiert am 05.07.2010
Die militante christliche Gruppe Adullam nations will mit Waffengewalt die Schweiz vor fremden Mächten verteidigen. Hauptfeinde sind EU und UNO.

Die Gruppierung Adullam nations hat sich zum Ziel gesetzt, «den Widerstand gegen die neue Weltordnung aufzubauen», schreibt Pastor Cédéric J. Stoller auf seiner Website. (Er ist nicht zu verwechseln mit dem Radrennfahrer Cédric Stoller.) Aufgabe sei die Bildung von «regionalen Widerstandsgruppen». Den Text ziert ein Emblem mit einem Lorbeerkranz und einem Kreuz, aus dem eine Faust ragt. Auf einem Foto sitzt der junge Pastor im Kampfanzug, in der Hand ein Gewehr, den Finger am Abzug.

Die Spurensuche nach der Widerstandsgruppe verläuft ergebnislos. Kein Wunder, versteht sich Adullam nations doch als «christliche Milizen im Untergrund». Der einzige konkrete Hinweis: Der Hauptsitz ist in Windisch AG. Dass die Organisation tatsächlich einen christlichen Hintergrund hat, zeigt der Hinweis, Adullam nations sei Teil der freikirchlichen evangelikalen Gemeinschaft.

Webseite gelöscht

Gegründet wurde Adullam nations Anfang dieses Jahres. Der Pastor stellte mehrere Texte ins Netz, in denen er seine Strategie erklärt. Als der «Tages-Anzeiger» mit seinen Recherchen begann, wurde die Website (www.christliche-identitaet.ch) gelöscht. Ob ein Zusammenhang besteht, lässt sich nicht ausmachen. Verschwunden ist auch die anonyme Mailadresse.

Der Kampf der christlichen Nationalisten gilt den Mächten, die nach dem «(Welt-)Einheitsreich» strebten und unsere nationale Identität zerstören wollen. In dieses Verschwörungskonstrukt werden auch die EU und die UNO gezwängt. Das führe zu einer neuen Weltordnung. Die Einheitswährung des Euro sei ein Schritt in diese Richtung.

Apokalyptische Ideen

Weiter bringt Adullam nations apokalyptische Ideen ins Spiel: In der Johannes-Offenbarung werde die Bildung antichristlicher Einheitsorganisationen als Zeichen der Endzeit gewertet. Adullam nations will aus seinen Kriegern Märtyrer machen: Es brauche Gotteskrieger, die bereit sind, «dem Freiheitskampf mehr Wert zu geben als dem eigenen Leben».

Die Ideologie von Adullam nations besteht aus einer Mischung von Verschwörungsideen, Endzeitfantasien und christlichem Fundamentalismus.

Die moralische Legitimation für seinen bewaffneten Abwehrkampf gegen die angeblichen antichristlichen Kräfte holt der Pastor mit dem kurzen Haarschnitt und dem grimmigen Blick aus der Bibel.

Die Waffenrüstung Gottes

«Die Armee Gottes braucht dich!», titelt Stoller. Schon in der Bibelstelle Epheser 6,13 würden die Christen dazu aufgerufen, «die symbolische Waffenrüstung Gottes anzuziehen, um mit voller Siegesgewissheit in den Kampf zu ziehen und in der Armee Gottes tätig zu sein». Als Vorbild führt der Pastor Jesus Christus an, der in Matthäus 10,34–36 gesagt habe: «Ich bin nicht gekommen, Frieden auf Erden zu bringen, sondern das Schwert.»

Das Rezept von Adullam nations klingt nach einer Art Guerillakrieg. Die Organisation erklärt, sie baue im Geheimen kleine Kampfzellen (Milizen genannt) auf. Sobald eine Miliz ihre Ausbildung abgeschlossen habe, vernichte die Gruppierung aus Sicherheitsgründen jegliche Daten.

Adullam nations behauptet, Gott erfreue sich am aktiven Glaubenskampf, und nimmt dafür die Bibel als Richtschnur (2. Könige 23,25). Deshalb müssten Christen den Kampf «in der Armee Gottes umsetzen, und zwar in aktiver, ja sogar militanter Weise».

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 05.07.2010, 04:00 Uhr

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