Cisalpino-Chef Alain Barbey gestern bei der Vorstellung des neuen Zugs.
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Der neue Cisalpino-Neigezug darf am Gotthard nicht wie geplant schneller fahren. Was passiert auf dieser Strecke?
Wir hätten die Züge gestern nicht vorgestellt, wenn wir nicht die Zusicherung der SBB und vom Hersteller hätten, dass für den Gotthard eine Lösung gefunden wird. Der Zug wurde mit Neigetechnik für den Gotthard bestellt, weil die gerade dort nutzbar ist. Das ist eine Grundbedingung. Wir sind sicher, dass wir mit Anpassungen und Analysen eine Lösung finden werden. Daher haben wir mit den Chefs von SBB und Trenitalia entschieden, die Strecke Genf–Mailand zu bedienen.
In der Schweiz haben Sie aber noch gar keine Bewilligung, um schneller durch die Kurven zu fahren?
In der Schweiz nicht, in Italien hingegen schon. Die Bewilligung wird auf der Strecke Genf–Mailand bereits im Betrieb angewandt. Für den Gotthard warten wir noch auf Resultate zur erhöhten Kurvengeschwindigkeit. Wenn diese Einschränkungen behoben sind, können wir die Bewilligung erhalten.
Die Zürcher müssen also weiterhin mit den alten Pannenzügen vorlieb nehmen?
Wir haben entschieden, am Gotthard ab Dezember nur die bisherigen Neigezüge vom Typ ETR 470 einzusetzen. Die neuen Züge werden wir auf den Strecken nach Genf und Bern/Basel schrittweise in Betrieb nehmen. Am Gotthard gibt es noch Probleme. Doch wir werden eine Lösung finden. Der Zeitpunkt ist offen.
Haben Sie einen Plan B, falls es wieder nicht wie geplant klappt?
Am Gotthard wollen wir sämtliche bisherigen Neigezüge einsetzen. Vielleicht müssen wir einzelne Züge streichen. Bis zur Lösung fahren wir bereits heute einen Plan B am Gotthard, indem wir dort zugemietete SBB-Neigezüge einsetzen.
Entfällt wenigstens das für die Kunden lästige Umsteigen in Lugano?
Ja. Ab Dezember soll es in Lugano und Domodossola kein Umsteigen mehr geben. Wir haben auch keine Freude an der aktuellen Situation. Wir haben das nur praktiziert, um den Fahrplan einhalten zu können. Die neuen Cisalpini werden den Druck von den bisherigen Zügen nehmen, die nun schrittweise saniert werden.
SBB-Chef Andreas Meyer will die neuen Züge nicht annehmen, falls sie nicht dem vereinbarten Produkt entsprechen. Machen Sie nun diese Drohung war?
Herr Meyer hat das gesagt, weil es noch offen war, ob die Probleme gelöst werden können. Er hat mir die Bewilligung gegeben, de Züge in Betrieb zu nehmen, weil sie auch für den Gotthard konzipiert sind.
Nächstes Jahr wird der Personenverkehr in der EU liberalisiert. Wäre es nicht besser, wenn die SBB das Zepter bei Cisalpino in die eigene Hand nehmen würden?
Nein, das glaube ich nicht. Wenn ein Schweizer Zug über die Grenze fährt, übernehmen anschliessend die Italienischen Bahnen. Wahrscheinlich würden die Herausforderungen bei einem Alleingang der SBB noch schwieriger werden.
Die Cisalpino-Pannenserie nimmt kein Ende. Wie gehen Sie damit um?
Ich bin seit zwei Jahren bei Cisalpino. Wir konnten in dieser Zeit sehr viele Massnahmen umsetzen und sind als Team zusammengerückt. Nun bin ich zuversichtlich, dass es aufwärts geht.
(Tages-Anzeiger)