Wer geimpft ist, schützt sich selbst vor den Masern und kann so auch niemanden mit dem Virus anstecken.
Weshalb?
Weltweite Studien besagen, dass es einen Todesfall auf rund tausend Masernerkrankungen gibt. Und wer einmal ein Kind beobachtet hat, das an Masern gestorben ist, dem bleibt dieses schreckliche Bild lebenslang in Erinnerung. Vereinfacht gesagt: Eine Ansteckung beinhaltet das Potenzial, dass man daran stirbt. Eine Impfung birgt hingegen lediglich geringe Risiken in sich.
Welche?
Schwer wiegende Komplikationen sind nicht bekannt. Ist jemand allerdings allergisch auf Zusatzstoffe, die mittels der Masernimpfung verabreicht werden, kann dies unangenehme Reaktionen auslösen.
Aber durch die vielen Impfungen, welche wir machen sollten, können unerwünschte Nebeneffekte wie eine verstärkte Allergiebereitschaft entstehen.
Das ist Blödsinn und eine Erfindung der Impfgegner. Mit jedem Atemzug bombardieren wir unsere Atemfläche und werden trotzdem nicht allergisch auf die zig tausend Stoffe, mit welchen die Lungenbläschen in Kontakt kommen.
Wie erklären Sie sich dann die grossen Ressentiments gegenüber Impfungen?
Zum Teil sind es sicherlich althergebrachte völlig falsche Vorstellungen von unserem Immunsystem. Viel zu diesen Missverständnissen haben auch die Impfbroschüren des Konsumentenschutzes beigetragen, welche auf der Ebene des Glaubens argumentieren. Der Konsumentenschutz sollte endlich zugeben, dass sie falsch informieren, und diese Broschüre einstampfen. Man bekommt den Eindruck, dass man in der Schweiz im Gegensatz zu anderen europäischen Ländern bestrebt ist, die Masern zu retten.
Erwogen wird jetzt ein Impfobligatorium für die Masern.
Grundsätzlich bin ich für ein Obligatorium, denn es steht nirgends in der schweizerischen Verfassung geschrieben, dass es das Recht gibt, jemanden anzustecken. Aber ein Obligatorium macht nur Sinn, wenn man dieses mit Sanktionen verbindet.
Wie bitte?
Das mag auf den ersten Blick etwas sonderbar erscheinen. Aber man müsste wie bei den Rasern dafür sorgen, dass Überträger des Virus für die Folgen aufkommen müssen. Ein Obligatorium für den Sicherheitsgurt ohne Bussenandrohung bringt ja auch nichts.
Das ist eine einschneidende Forderung.
Natürlich müsste man eine solche Neuerung im Gesundheitswesen via einen demokratischen Prozess einführen. Man sollte die jetzt in der Schweiz wieder grassierende Masernepidemie für eine Grundsatzdiskussion über das Impfen im Allgemeinen nutzen. Ein Grüner würde wohl sagen, es brauche eine nachhaltige Lösung. Es kann doch nicht sein, dass beispielsweise eine nicht ungefährliche Krankheit wie die Masern die Schweiz heimsucht, obwohl wir medizinisch in der Lage wären, diese auszurotten.
(Berner Zeitung)
Die Masern führten relativ häufig zu Komplikationen wie Hirnhautentzündungen oder zu Todesfällen, betont Franz Wyss, Generalsekretär der kantonalen Gesundheitsdirektorenkonferenz (GDK). «Deshalb sollten wir einen Effort machen und sie ausrotten.» Die GDK fasst wegen der Besorgnis erregenden Lage bei der Verbreitung des Virus ein Impfobligatorium ins Auge.
Nebst der impfkritischen Gruppe Aegis (aktives eigenes gesundes Immunsystem) sind auch verschiedene Ärzte skeptisch. «Ein Obligatorium wäre schwer durchzusetzen, und es gäbe wohl hochkochende Gegenreaktionen», betont etwa Silke Schmitt Oggier, stellvertretende Leiterin des Stadtzürcher Schulärztlichen Dienstes.
Überzeugungsarbeit führe eher zum Ziel. Nebenwirkungen der Masernimpfung seien weniger gravierend als die von der Krankheit verursachten Todesfälle und Komplikationen, betont schliesslich Jacques de Haller, Präsident der Ärzteverbindung FMH, und beurteilt damit die Dramatik der Situation ähnlich wie der Berner Immunologe Beda Stalder (siehe Interview).