Der Inder bei der SVP: Bloss «das braune Schaf»?

Von Gieri Cavelty, Olten . Aktualisiert am 13.02.2009
Shanky Wyser ist gebürtiger Inder und politisiert bei der SVP. Seine Hautfarbe macht ihn für die Partei zum glaubwürdigen Botschafter in Ausländerfragen. Die Linke sieht in ihm bloss eine Propagandafigur.

Was hat ein Shanky Wyser auf der Kandidatenliste der SVP für den Solothurner Kantonsrat verloren? Diese Frage beschäftigt die Besucher des Internetforums ignoranz.ch seit Wochen. In ihren Kommentaren mokieren sich die Surfer über den aus Indien stammenden Jungpolitiker - «das braune Schaf der SVP». Nur zwischendurch ermahnt einer die übrigen Diskussionsteilnehmer: «Was sollen diese rassistischen Sprüche?» Wyser selbst lässt die Debatte kalt: «Mir fehlt die Zeit, um mich damit zu beschäftigen.»

Aktiv geworden ist jetzt dafür die SVP von Wysers Wahlkreis. In einer Zuschrift an die Lokalzeitung kalauert jemand über die Hautfarbe des 23-jährigen kaufmännischen Angestellten und die Farblosigkeit eines weiteren Kandidaten. In einer bis ins Bundeshaus gestreuten Medienmitteilung empört sich die SVP Olten-Obergösgen über diese «höchst entwürdigende und herabsetzende Haltung gegenüber andersfarbigen Menschen».

«Wäre dumm, ihn nicht einzusetzen»

Verfasst hat das Communiqué Roman Jäggi. Und der ist nicht einfach ein Kantonsrat vom Lande. Bis Ende 2007 amtete Jäggi als Pressechef der SVP-Schweiz: Der Mann kennt alle Kniffs des Politmarketings. Als «blosses Propagandagedröhne» möchte SP-Kantonsrat Urs Huber die SVP-Mitteilung denn auch verstanden wissen. «Dass sich aber ausgerechnet ein Scharfmacher wie Roman Jäggi derart empört, ist der Gipfel der Verlogenheit.»

Für die Solothurner Linken ist klar: Shanky Wyser dient der SVP als Propagandafigur. «Er ist der Vorzeigefarbige», formuliert es eine grüne Politikerin, «der scheinbar schlagende Beweis dafür, dass die Partei mit Ausländern und anderen Ethnien grundsätzlich kein Problem hat». Bei der SVP wird dies nicht bestritten. Kantonalpräsident Heinz Müller: «Wyser ist ein Glücksfall für uns. Gerade in Ausländerfragen ist er ein sehr glaubwürdiger Botschafter. Es wäre dumm, wenn die SVP ihn bei Diskussionen zum Thema nicht einsetzen würde.»

«Arena-tauglich»

Zum Einsatz gekommen ist Wyser auch schon fernab vom Jurasüdfuss. Im letzten Frühjahr nahm ihn die Kantonalsektion an eben jene Delegiertenversammlung der Mutterpartei mit, an welcher der Abstimmungskampf zur Einbürgerungsinitiative eröffnet wurde. Wyser wollte und sollte die Initiative vor den 500 SVP-Delegierten mit einigen markigen Worten anpreisen.

Kurz darauf schickte ihn das SVP-Generalsekretariat in die Fernsehsendung «Arena» zum selben Thema. Er gab zwar nur ein kurzes Statement ab. Der Auftritt hat den Parteioberen indes so gut gefallen, dass man auf Wyser vor weiteren Urnengängen unbedingt zurückgreifen möchte - namentlich bei der Ausschaffungsinitiative.

Für Kantonalpräsident Müller hat das nichts mit einem Missbrauch des einzigen Farbigen in der SVP zu tun. «Er ist ja keineswegs der einzige Dunkelhäutige in unseren Reihen. In der SVP der Gemeinde Biberist gibt es meines Wissens ebenfalls einen Inder.»

«Für mich kommt nichts anderes in Frage»

Wyser selbst sagt: «Es gibt für mich keine grössere Beleidigung als die Aussage, ich sei bloss eine Marionette.» Sieht er sich aber zumindest «positiv diskriminiert»? Die Frage schiesse am Ziel vorbei, so Wyser. «Tatsache ist: Ich bin seit zwei, drei Jahren SVP-Mitglied. Für mich kommt nichts anderes in Frage.»

Wyser wurde als Zweijähriger adoptiert. Die Eltern machten keineswegs Luftsprünge wegen seines politischen Engagements. Lieber hätten sie ihm sein Herkunftsland näher gebracht. «Das hat mich allerdings nie interessiert», sagt Wyser. «Mir lag immer nur die Schweizer Mentalität und die Schweiz mit ihrer schönen Landschaft am Herzen.»

Wie die aus der Slowakei stammende Luzerner SVP-Nationalrätin Yvette Estermann stellt Wyser seinen Patriotismus gerne zur Schau: Sein bevorzugtes Kleidungsstück ist eine mit Schweizer Kreuzen verzierte Krawatte. «Ich hatte schon als Kind Freude an der Landesfahne.» Früh gestört habe er sich dagegen an seinen muslimischen und jüdischen Mitschülern: «Ich kann mich erinnern, dass diese Kinder in der fünften Primarklasse den Schul-Samichlaus schwänzten. Damals habe ich mich intuitiv an Sonderrechten für Minderheiten gestossen. Im Rückblick war das der Anfang meines Interesses an der Ausländerpolitik.»

Er selber sei im Übrigen nie als Fremder behandelt worden und habe auch keinen Rassismus erlebt - «ausser jetzt vielleicht im Wahlkampf mit diesem Leserbrief». Überhaupt werde das Thema Rassismus viel zu hoch gehängt, findet Wyser. «Wenn die SVP darauf aufmerksam macht, dass es unter den Kosovo-Albanern mehr Kriminelle gibt als bei anderen Bevölkerungsgruppen, dann hat das mit Rassismus doch nichts zu tun», findet er. «Es ist nun einmal eine Tatsache, dass die Menschen vom Balkan eine ganz andere Mentalität haben als wir.»

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 13.02.2009, 08:07 Uhr

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