Die Qual der Wahl: Für welche Züge entscheiden sich die SBB?

Von Claudio Habicht . Aktualisiert am 21.04.2009
Die SBB wollen 59 neue Doppelstockzüge für den Fernverkehr kaufen. Wer auf mehr Platz hofft, wird jedoch enttäuscht werden. Der Raum in den Wagen ist schon maximal ausgereizt.
topelement Doppelstockzüge der Firma Siemens fahren bereits auf dem Zürcher S-Bahn-Netz. Laut der «Aargauer Zeitung» liegt Siemens im Rennen um die Ausschreibung für die 59 neuen SBB-Doppelstockzüge vorn. Bild: Keystone Mehr Bilder (7)

Eng, unbequem, wenig Privatsphäre: Nicht alle Leser von Tagesanzeiger.ch/Newsnet sind mit den IC-Doppelstockwagen zufrieden, die heute auf dem SBB-Netz unterwegs sind. Sie hoffen, dass die neuen Kompositionen mehr Sitzkomfort bieten: Bis 2013 will die SBB für 2,1 Milliarden Franken 59 neue Interregio- und Intercity-Doppelstöcker anschaffen. Ein Leser schlägt vor, die Sitzreihen so einzubauen, dass man sie in Fahrtrichtung drehen könne. «Das würde mehr Privatsphäre schaffen in den vollen Zügen». Ein anderer wünscht sich höhere Fahrgasträume – er ist über 1,80 Meter gross.

Platzproblem

Doch auch die neuen Züge werden nicht viel mehr Platz bieten als die alten. «Es ist nicht möglich, die Wagen höher oder breiter zu bauen. Der Raum wird bei Doppelstockzügen voll ausgenutzt durch die Sitzplätze, die Antriebsausrüstung und die elektrischen Apparate», sagt Walter von Andrian, Bahnexperte und Chefredaktor der Fachzeitschrift «Schweizer Eisenbahn-Revue».

In Europa gibt es mehrere Firmen, die Züge bauen – darunter auch die Ostschweizer Stadler Rail, die kürzlich die Ausschreibung für 60 Doppelstöcker für die Zürcher S-Bahn für sich entschied. Zu den führenden Bahnbauern gehören auch die kanadische Bombardier, die französische Alstom und die deutsche Siemens. Zu den weniger bekannten Anbietern gehören die italienische Firema und Ansaldobreda sowie die tschechische Skoda. Laut von Andrian dürften Bombardier, Stadler, Siemens und Alstom die besten Chancen haben. Möglich sei auch, dass sich diese Firmen im hart umkämpften Bahnmarkt zu Konsortien zusammenschliessen und gemeinsame Offerten einreichen.

Keine Züge ab Stange

Ab Stange können die SBB die Züge jedoch nicht kaufen. «Anders als auf dem Automarkt gibt es bei den Zügen keine Standardmodelle. Jede Bestellung wird individuell auf die Bedürfnisse des Bestellers angepasst», sagt von Andrian. Davon zeugt die vierseitige Ausschreibung in kleinster Schrift, die jedes Detail festhält. So sollen die Züge in Kurven schneller als herkömmliche Züge fahren, schnell beschleunigen und bremsen, und bis zu 200 Kilometer pro Stunde erreichen. Zudem müssen die IC-Züge über ein Restaurant verfügen und für den Einsatz in Österreich und Deutschland nachrüstbar sein.

( Tagesanzeiger.ch/Newsnet )

Erstellt: 21.04.2009, 14:52 Uhr

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