In einer Woche beginnt auch in der Schweiz die Schweinerippe-Impfung: Impfung in den USA. Bild: KEYSTONE/AP
16'000 Spritzen und 13'000 Impfdosen liegen bereit: Nächste Woche startet das Bundesamt für Gesundheit (BAG) seine Impfkampagne gegen die Schweinegrippe. Es ist die grösste Impfaktion, welche die Schweiz je gesehen hat. Doch die anhaltende Kontroverse um die Gefahren der Impfstoffe sorgt im Vorfeld der Massenimpfung für Verunsicherung.
«Wir stellen fest, dass die Impfbereitschaft in der Bevölkerung nicht allzu gross ist» erklärt Mediziner Hans Binz, Vizepräsident der eidgenössischen Impfkommission. Letzten Frühling zeigten sich in Umfragen rund 30 Prozent der Bevölkerung bereit, sich impfen zu lassen. Heute sind es laut Binz «deutlich weniger». Eine Online-Umfrage von Tagesanzeiger.ch/Newsnet zeigt denn auch, dass nur jeder achte Eidgenosse bereit ist, sich eine Spritze gegen die Schweinegrippe setzen zu lassen (siehe Kasten). Andere Umfragen kommen zu ähnlich Ergebnissen. Und das, obwohl die Impfung kostenlos ist.
Milder Verlauf senkt Impfbereitschaft
Wichtigster Grund für die Impfmüdigkeit der Schweiz ist der milde Verlauf der Schweinegrippe. «Die Krankheit ist nach dem heutigen Verlauf für den Einzelnen in aller Regel nicht lebensbedrohlich,», erklärt Erika Ziltener, Sprecherin der Schweizer Dachgesellschaft der Patientenstellen, «das hemmt die Impfbereitschaft.»
Doch nicht nur wegen des relativ harmlosen Verlaufs der Schweinegrippe sieht ein Grossteil der Bevölkerung kaum Anlass, an der Impfaktion teilzunehmen. Vielmehr ist die Debatte um die Wirkverstärker (Ajuvans), welche der Streckung des Impfstoffes dienen, längst von Deutschland aus in die Schweiz geschwappt. «Es herrscht eine beträchtliche Verunsicherung über die Risiken und Nebenwirkungen der Impfstoffe», so Ziltener. Für Diskussionen sorgt dabei insbesondere der Umstand, dass der Wirkverstärker, der für den Impfstoff des Pharmakonzerns Glaxo Smith Klein verwendet werden soll, nicht an Risikogruppen wie Schwangeren und Kinder getestet wurde.
Impfgegner im Aufwind
Die weit verbreitete Skepsis spielt den Impfgegnern in die Hände: «Sie verspüren derzeit Aufwind – und das ist nicht gut», erklärt Hans Binz. Er hält deren Befürchtungen indessen für haltlos: Die Wirkverstärker in den beiden vom Bund bestellten Impfstoffen seien unbedenklich. «Das eine Adjuvans wurde schon bei über 40 Millionen Personen eingesetzt, das andere extensiv in Studien getestet.» Deshalb wäre es «ein Unsinn» zu behaupten, der Bund habe den falschen Impfstoff bestellt.
Die Impfmüdigkeit in der Bevölkerung könnte sich trotz des milden Krankheitsverlaufs der Schweinegrippe Folgen haben: Denn bei gewissen Risikopatienten hat die Schweinegrippe schwere Komplikationen zur Folge, in seltenen Fällen verläuft sie gar tödlich. «Das kann und müsste man durch Impfungen vermeiden», so Binz. Er ist allerdings überzeugt, dass die Impfbereitschaft schlagartig ansteigen wird, wenn es zu Zwischenfällen oder Komplikationen kommen würde.
Und was sagt der Bund dazu? Das BAG befindet sich eine Woche vor dem Start der Impfaktion auf Tauchstation. Die Behörden sehen keinen Bedarf, dem verbreiteten Unbehagen in der Bevölkerung aktiv entgegenzutreten. Bis am kommenden Freitag werde man keine weiteren Informationen zur Impfkampagne liefern, erklärt BAG-Sprecher Jean-Louis Zürcher auf Anfrage.
( Tagesanzeiger.ch/Newsnet )