Erster Schweinegrippe-Verdachtsfall in der Schweiz

Aktualisiert am 27.04.2009
Die Behörden haben einen ersten Verdachtsfall von Schweinegrippe bestätigt. Der Kranke ist soeben aus den Ferien in Mexiko zurückgekehrt.
topelement Die neusten Zahlen zur Schweinegrippe. Mehr Bilder (30)

Der im Raum Baden wohnhafte junge Mann meldete sich heute Morgen bei seinem Hausarzt, wie die stellvertretende Aargauer Kantonsärztin Maria-Ines Carvajal sagte. Er habe über 38 Grad Fieber sowie Erkältungs- beziehungsweise Grippesymptome gehabt. Der Mann war von einer Mexiko-Reise heimgekehrt.

Weil er alle Kriterien des Bundesamts für Gesundheit (BAG) für einen Verdachtsfall erfüllt habe, sei er ins Kantonsspital Baden gebracht worden. Dort wurde er isoliert, um die Möglichkeit einer Ansteckung zu verhindern, wie es in der Mitteilung des kantonalen Departements Gesundheit und Soziales heisst. Das Spital sei entsprechend eingerichtet, und es bestehe kein Risiko für die anderen Menschen, sagte die stellvertretende Kantonsärztin.

Voraussichtlich innerhalb von zwei Tagen werden die Laborbefunde vorliegen, die Aufschluss über die Art der Erkrankung geben werden. Die Laboranalysen werden gemäss Carvajal im Nationalen Zentrum für Influenza in Genf vorgenommen. Es sei entsprechend eingerichtet und könne den neuen Typ der Schweinegrippe nachweisen. Die Proben gingen noch am Montag von Baden nach Genf.

Fünf weitere Fälle unbestätigt

Es handelt sich um den ersten behördlich bestätigten Verdachtsfall von Schweinegrippe in der Schweiz. Das BAG hatte zuvor von Abklärungen in fünf Fällen gesprochen, aber noch keine konkreten Verdachtsfälle bestätigt.

Der Ablauf im Kanton Aargau wird in der Mitteilung wie folgt beschrieben: Deuten Symptome auf eine mögliche Schweinegrippe-Infektion hin, nimmt der Hausarzt mit dem Kantonsärztlichen Dienst (KAD) Kontakt auf. Gemeinsam wird in der Folge entschieden, ob eine Zuweisung an eines der beiden Kantonsspitäler erfolgt. Beide Spitäler verfügten über entsprechende Tamiflu-Vorräte. Noch wichtiger sei das Knowhow über das Management von Patienten mit Infektionskrankheiten.

Behörden: gut vorbereitet

Die Behörden sehen sich für eine Pandemie so gut vorbereitet wie nie zuvor. «Es ist klar, dass Leute, die in Mexiko oder den USA waren, besorgt sind und sich schneller beim Arzt melden als sonst», sagte Patrick Mathys, Leiter der Sektion Pandemievorsorge im Bundesamt für Gesundheit (BAG). Bis jetzt erhielt das BAG indessen keine Kenntnis von einem konkreten Fall.

BAG-Direktor Thomas Zeltner äusserte sich auf Schweizer Radio DRS besorgt über die Schweinegrippe. Nachdenklich stimmen ihn vor allem drei Dinge: Die Neuartigkeit des Virus, die Übertragbarkeit von Mensch zu Mensch sowie die Tatsache, dass auch gesunde Menschen mittleren Alters erkranken.

Noch zu früh für eine Einschätzung

«Es ist noch zu früh, die Gefährlichkeit des Virus zu beurteilen», erklärte er indessen. Insbesondere stelle sich die Frage, wieso die Fälle in den USA bisher glimpflich abgelaufen seien, während in Mexiko mehrere Leute starben. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) kläre derzeit die Lage ab.

Auch was die Vorsichtsmassnahmen in der Schweiz angeht, verwies Zeltner auf die WHO. Gegenwärtig seien keine weitere Massnahmen nötig. Spreche die WHO neue Empfehlungen aus, ändere sich die Lage der Schweiz. Auch Reisewarnungen stünden dann zur Diskussion.

Zeltner äusserte sich positiv über die Vorbereitungen in der Schweiz. «Wir sind so gut vorbereitet wie noch nie», sagte er.

Ein Viertel kann mit Medikamenten versorgt werden

Tatsächlich hat die Schweiz nach dem Ausbruch der Vogelgrippe für eine mögliche Pandemie aufgerüstet. Das Roche-Grippemittel Tamiflu, auf welches auch das neuartige Schweinegrippevirus A/H1N1 aus Mexiko anspricht, liegt in Pflichtlagern des Bundes.

Rund ein Viertel der Bevölkerung könnte damit versorgt werden. Zudem kann alternativ das Präparat Zanamivir von GlaxoSmithKline eingesetzt werden.

Warten auf Impfstoff

Ein Impfstoff ist gegen den neuen Schweinegrippe-Erreger, welcher ebenfalls Genkomponenten der Menschen- und der Vogelgrippe aufweist, noch nicht verfügbar. Die WHO ist daran, ein Serum zu entwickeln.

Eine saisonale Grippeimpfung oder die 8 Millionen in der Schweiz verfügbaren Impfdosen gegen die Vogelgrippe (Erreger H5N1) taugten nicht zur Bekämpfung der Schweinegrippe, erklärte Mathys.

Die Schweiz hat sich aber mittels eines Vertrags mit einem international tätigen Pharmaunternehmen den Zugriff auf einen allfälligen neuen Impfstoff gesichert. Der Vertrag sichert dem Land einen bestimmten Prozentsatz der ausgestossenen Menge.

Test fehlt - Masken schützen

Neben einer Impfung fehlt auch ein Test, um das Virus überhaupt zu erkennen. Diagnose-Tests, die in den USA bereits heute angewendet werden, können nicht in der Schweiz angewendet werden.

Gemäss Laurent Kaiser vom nationalen Grippezentrum in Genf sollte der Test in der Schweiz in rund zehn Tagen vorliegen, wie er der «Neuen Luzerner Zeitung» vom Montag sagte.

Da Grippeviren über die Luft übertragen werden, kommt Schutzmasken ein wichtige Rolle bei der Eindämmung der Krankheit zu. Wegen der Vogelgrippe hat die Schweiz in grossen Mengen Schutzmasken gehortet. Diese sind nach Angaben der Grossverteiler auch noch nach Jahren brauchbar und weiter im Sortiment.

Die Vogelgrippe wird nur von Vögeln auf Menschen übertragen. Die neue Schweinegrippe hingegen kann auch von Menschen auf Menschen springen.

Der aktuelle Stand der Verbreitung der Schweinegrippe:

(oku/ap/sda)

Erstellt: 27.04.2009, 17:08 Uhr

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