Gerangel um Grossauftrag der SBB

Von Stefan Schnyder . Aktualisiert am 22.03.2010
Im Mai vergibt der SBB-Verwaltungsrat den grössten Beschaffungsauftrag in der Geschichte der Bahn. Auch Stadler Rail, die Firma von Peter Spuhler, bewirbt sich darum. Nun macht der SVP-Nationalrat Eigenwerbung.
Hoffen auf neue Aufträge: In einer Werkhalle von Stadler Rail bauen Arbeiter einen Pendlerzug der Baureihe Flirt zusammen. Beim SBB-Auftrag geht es dagegen um Doppelstockzüge. Bild: KEYSTONE/AP

In den Chefetagen der weltweit grössten Zughersteller herrscht derzeit Nervosität. Grund: Der Verwaltungsrat der SBB wird im Mai entscheiden, welches Unternehmen den Zuschlag für den Bau der neuen Intercity-Doppelstock-Kompositionen erhält. Der Auftrag hat einen Wert von rund zwei Milliarden Franken. Es handelt sich damit um den grössten Auftrag, den die Bundesbahn je im Bereich Fahrzeuge vergeben hat.

Um den Auftrag buhlen der deutsche Siemens-Konzern, der kanadische Fahrzeughersteller Bombardier und der schweizerische Schienenfahrzeughersteller Stadler Rail, der dem Thurgauer SVP-Nationalrat Peter Spuhler gehört.

Kommunikative Offensive

In dieser heissen Phase geht nun Peter Spuhler in die Offensive und spielt die Karte der Arbeitsplatzsicherheit für die Schweiz aus. Von diesem Auftrag hängen «einige hundert Stellen» ab, sagte Spuhler der Zeitung «Sonntag». «Hinzu kämen nochmals so viele Stellen in der Schweizer Zulieferindustrie», fügt er an. Stadler Rail wird den Mitarbeiterbestand in diesem Jahr so oder so weiter ausbauen: «Wir werden dieses Jahr die 3000er-Marke knacken», sagt er.

Spuhler sagt zudem, dass Züge, die Stadler Rail hier produziere, einen Schweizer Wertschöpfungsanteil von 80 Prozent hätten. Konkurrent Siemens habe dagegen kein Montagewerk in der Schweiz, Bombardier eines. Die Swissness werde bei Stadler Rail grossgeschrieben: «Wir beziehen beispielsweise die Aluminiumprofile für die Wagenkasten aus dem Wallis, die Antriebsausrüstung von der ABB aus dem Aargau und aus Genf, die Wagons werden bei uns in Altenrhein gefertigt und montiert, die Fahrwerke werden komplett in Winterthur gebaut.»

Konter gegen Siemens

Spuhler legt aber Wert auf die Feststellung, dass er sich keineswegs auf Heimatschutz berufe: «Wir müssen uns kommerziell und technisch durchsetzen – und da können wir durchaus mithalten.»

Nicht allzu ernst nehmen dürfte man die Aussage von Siemens-Schweiz-Chef Siegfried Gerlach in einem Interview mit dem «Tages-Anzeiger», wonach Stadler Rail erst mal beweisen müsse, dass sie solche Züge überhaupt bauen kann. «Ich kann dazu nur sagen: Wir haben im Gegensatz zu Siemens immer pünktlich geliefert.» Die neuen Zürcher S-Bahn-Züge DTZ von Siemens dagegen seien mit über zwei Jahren Verspätung zum Einsatz gekommen.

Auch Lantal ist im Rennen

Auch ein Berner Unternehmen hofft, sich ein Stück von diesem Auftragskuchen abschneiden zu können: Das Langenthaler Textilunternehmen Lantal bewirbt sich darum, die Stoffe für die Sitze liefern zu können. Es hat der SBB ein Farbenkonzept für die neuen Wagen vorgelegt, das von der SBB-Führung abgesegnet worden ist. Wie gross das erhoffte Auftragsvolumen ist, gibt das Unternehmen nicht bekannt.

(Berner Zeitung)

Erstellt: 22.03.2010, 09:40 Uhr

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