Flasche leer: Schweizer lieben Alkohol, und das in ausreichendem Mass. Bild: KEYSTONE/AP
Zwar ging der Alkoholkonsum in der Schweiz in den letzten zehn Jahren leicht zurück, wie aus der Statistik der Schweizerischen Alkoholverwaltung hervorgeht. Zugenommen hat aber der Durst auf Hochprozentiges. Bezogen auf das letzte Jahr war vor allem der Konsum von Wein rückläufig. 38,6 Liter Wein waren es 2008 noch pro Kopf, das waren sieben Deziliter weniger als im Vorjahr.
Beim Bier hingegen griffen wir häufiger zu und steigerten den Verbrauch um 0,6 Liter auf 58 Liter. Beim Schnaps schliesslich blieb der Pro-Kopf-Konsum mit vier Litern auf dem Niveau des Vorjahrs.
123'704 Hektoliter reiner Alkohol
Dass der Gesamtverbrauch bei den Spirituosen um knapp drei Prozent auf 123'704 Hektoliter reinen Alkohols anstieg, war dem Bevölkerungswachstum zuzuschreiben. Insgesamt sank der Alkoholkonsum 2008 verglichen mit dem Vorjahr von 8,8 auf 8,7 Liter reinen Alkohols pro Kopf. Damit ging der Verbrauch in den vergangenen zehn Jahren um einen halben Liter zurück.
Würden die 8,7 Liter reinen Alkohols nur in Wein getrunken, dann käme man auf 85 Flaschen. Das bei einem durchschnittlichen Alkoholgehalt von 14 Prozent und einer Flaschengrösse von 0,7 Liter. Umgerechnet in Bier wären es rund 350 Flaschen à 0,5 Liter und einem durchschnittlichen Alkoholgehalt von 5 Prozent.
Viel mehr importierter Whisky
Während der Gesamtkonsum reinen Alkohols also im vergangenen Jahrzehnt abnahm, ging die Entwicklung bei den Spirituosen in die andere Richtung. Seit 1999 haben die Schweizer ihren Konsum von 40-prozentigem Schnaps pro Kopf um vier Deziliter gesteigert. Verantwortlich dafür sind laut der Alkoholverwaltung in erster Linie Importprodukte und hier vor allem der Whisky. Sein Anteil am Gesamtimport betrug 2008 rund 22 Prozent. Die Alkoholverwaltung merkt dabei an, dass auch die inländische Whiskyproduktion stetig gewachsen ist, seit es 1999 auch in der Schweiz erlaubt wurde, Schnäpse aus stärkehaltigen Rohstoffen wie Getreide oder Kartoffeln herzustellen. 2008 hätten sich bereits ein Dutzend Spirituosenhersteller mit innovativen Produkten gegen die ausländische Whiskydominanz zu behaupten versucht, hiess es.
Vor zehn Jahren wurde auch der Einheitssteuersatz für Spirituosen eingeführt, um jegliche Diskriminierung zwischen in- und ausländischen Produkten zu vermeiden. Das hatte zur Folge, dass sich die Importe beliebter Spirituosen wie Whisky, Gin oder Wodka deutlich verbilligten. Laut der Alkoholverwaltung hat sich der stärkere Konkurrenzdruck in der Schweiz massiv ausgewirkt. Der mengenmässige Anteil der einheimischen Spirituosen am Schweizer Markt ging innert zehn Jahren von 50 auf 15 Prozent zurück, was einen massiven Strukturwandel in der Spirituosenbranche auslöste, der noch immer anhält.
Schweizer Brenner haben das Nachsehen
Auch im Schweizer Obstbau sind die Folgen sichtbar. Laut Mitteilung sind seit 1960 mehr als acht Millionen Hochstammbäume verschwunden. Und von den verbleibenden rund 2,3 Millionen Bäumen sind bis zu 30 Prozent von der inländischen Produktion abhängig. Bis zu 40 Prozent der gesamten Obsternte werden gebrannt.
(cpm/ap)