Libyen-Geiseln: Qadhafi fürchtete eine Befreiungsaktion

Aktualisiert am 25.09.2009
Trotz einer Annäherung ist der Streit mit Libyen noch lange nicht vorbei. Qadhafi hat die Schweizer Geiseln an einen «sicheren Ort» bringen lassen. Er befürchtet, dass sie gewaltsam befreit werden könnten.

Bei einem Treffen mit Libyens Staatschef Moammar Qadhafi in New York stellte Bundespräsident Hans-Rudolf Merz klar: Die zurückgehaltenen zwei Schweizer müssen für eine Verbesserung der Beziehungen heimkehren. Er habe Qadhafi darauf aufmerksam gemacht, dass die zwei Schweizer freikommen müssten, ehe der Vertrag zur Normalisierung der bilateralen Beziehungen umgesetzt werden könne, sagte Merz am Donnerstag am Rande der Uno-Vollersammlung in New York. «Ich erwarte von Libyen Resultate», erklärte der Bundespräsident auch in einem Interview des Schweizer Fernsehens.

In dem am 20. August unterzeichneten Vertrag zwischen der Schweiz und Libyen war eine Frist für die Normalisierung der bilateralen Beziehungen bis am 20. Oktober festgelegt worden. Wann die beiden Geschäftsleute frei kommen, konnte Merz nicht sagen. Dass zur Umsetzung des Vertrages zwischen den beiden Ländern aber diese Frage gelöst werden müsse, sei Qadhafi klar. Der Revolutionsführer habe ihm aber gesagt, er wolle sich nun persönlich darum kümmern.

Zurückgehaltene nicht mehr in der Botschaft

Die beiden Schweizer wurden laut Merz von den libyschen Behörden an einen ihren Angaben nach «sicheren» Ort gebracht. Qadhafi habe diese Massnahme damit begründet, dass Libyen befürchte, die Schweiz könnte versuchen, die Zurückgehaltenen gewaltsam zu befreien. Merz versicherte Qadhafi, dass die Schweiz keine solchen Absichten hege.

Die zwei Geschäftsleute werden seit einem Jahr in Libyen festgehalten, weil sie Visaübertretungen begangen haben sollen. Da sie dafür aber bisher nicht zur Rechenschaft gezogen wurden, liegt laut Merz die Vermutung nahe, dass die beiden aus Rache für die Verhaftung von Qadhafis Sohn Hannibal im Juli 2008 im Land behalten würden. Das Gespräch zwischen Merz und Qadhafi hatte am Mittwochabend am Rande der Uno-Generalversammlung in der libyschen Botschaft stattgefunden.

Der libysche Herrscher sei während des 40-minütigen Gesprächs sachlich und unemotional gewesen, er habe der Schweiz keine Vorwürfe gemacht, sagte Merz. Qadhafi habe ihn auch nicht warten lassen und das Treffen habe in einer freundlichen Atmosphäre stattgefunden. Qadhafi habe beim Treffen noch einmal die Verhaftung seines Sohnes rekapituliert, sagte Merz weiter. Der Revolutionsführer habe dabei klar gemacht, dass seine Familie nicht über dem Schweizer Recht stehe, dieses sei aber nicht richtig angewandt worden.

(vin/sda)

Erstellt: 24.09.2009, 22:57 Uhr

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