Das Notfallzentrum des Inselspitals befragt in der Skisaison 2007/08 insgesamt 1088 verletzte Wintersportler aller Altersstufen. Sowie 749 unverletzte Ski- und Snowboardfahrer auf den Parkplätzen der Wintersportgebiete im Berner Oberland.
Die Studie kommt zu folgenden Schlüssen:
- Bei den Verletzten handelte es sich bei 60 Prozent um Schweizer, 40 Prozent waren anderer Nationalität.
- Viele Skifahrer überschätzen ihr Können, da sie die neuen Skiausrüstungen und die damit verbundene Carvingtechnik schneller an ihre Leistungsgrenze führen.
- Bis zu 50 Prozent aller Befragten haben bereits Erfahrung mit Aggression (Bedrängen, Stoss/Tritt, Auseinandersetzung) auf den Pisten gemacht.
- Gut 20 Prozent aller Verunfallten sagten, generell beim Wintersport nicht auf Alkohol zu verzichten. Über 30 Prozent aller Nicht-Verunfallten gaben an, Alkohol auf der Piste zu konsumieren.
- 16 Prozent der Verunfallten konsumierten gelegentlich weiche Drogen.
- Bei den Skifahrern zeigte sich weiter, dass vor allem Risikobereitschaft, die Verwendung von neuer Skiausrüstung, das Fahren auf Alt- oder Pulverschnee und vereisten Pisten sowie schlechte Sicht zu Unfällen führten.
- Der jährliche Service von Ski und Bindung scheint nicht zwangsläufig vor Unfällen zu schützen.
- Bei den Snowboardern waren in der Patientengruppe die Faktoren geringe bis mittlere Geschwindigkeit, Altschnee und vereiste Pisten, schlechte Sicht und kein Helm signifikant häufig genannt worden.
- Skifahrer trugen nur zu 50 Prozent Protektoren und dabei vorwiegend Helme, wogegen Snowboarder sich weit besser und umfangreicher schützten (Helme, Rücken- und Handgelenkprotektoren).
- Skifahren führt zudem zu einem anderen Verletzungsmuster als Snowboarden. In einer rückblickenden Studie des Inselspitals bei Schneesportlern mit Fokus auf Wirbelsäulenverletzungen habe sich gezeigt, dass sich Skifahrer eher Verletzungen der Hals- und Brustwirbel zuzogen. Bei Snowboardern seien vor allem die Lendenwirbel betroffen.
- Bleibende neurologische Schäden und Querschnittslähmungen habe es in dieser sich über sechs Jahre erstreckenden Studie ausschliesslich bei Skifahrern gegeben.
Von der Rega erschien heute zudem ein Bericht, der zeigt, dass es im laufenden Winter zu mehr Unfällen kommt. Zahlen wollte Rega-Sprecher Thomas Kenner keine nennen. Die Rega warte zuerst das Ende der Wintersportsaison ab. Man könne jedoch sagen, dass der Winter 2008/2009 für die Rega intensiv sei. Die Unfallzahlen seien überdurchschnittlich hoch.
Langfristig betrachtet steigt die Zahl der Unfälle auf den Schweizer Skipisten nicht, berichtet die Suva: Laut deren Statistiken sank sie in den letzten Jahren vielmehr auf rund 70'000 pro Jahr.
Mehr schwere Verletzungen
Zugenommen hat dagegen die Zahl der schweren Verletzungen. Eine der Ursachen sieht die Suva darin, dass die Wintersportler mit den modernen Carving-Skis schneller fahren können.
Die Kosten dieser Unfälle sind immens: Für das Jahr 2005 beziffert sie die Suva für die Skiunfälle auf 183,4 Millionen Franken und für Snowboardunfälle auf 31,5 Millionen.
(sam)