Warum?
Die Staatsanwältin hat absolut korrekt gehandelt. Das Strafgesetz sieht die Möglichkeit explizit vor, ein Strafverfahren einzustellen, wenn alle Streitparteien einwilligen und kein überwiegendes öffentliches Interesse an der Strafverfolgung vorliegt.
Offenbar hat aber die Staatsanwältin Roland Nef bereits nach dem Verhör gesagt, sie plane das Strafverfahren einzustellen. Zu diesem Zeitpunkt hat sie noch nicht einmal das Beweismaterial aus der Hausdurchsuchung gesichtet.
Das hat die Staatsanwältin so nicht gesagt.
Wie denn?
Ich kann den Wortlaut nicht mehr sagen. Sinngemäss hat sie gesagt, es sei voraussichtlich ein Fall, der nicht vor den Richter müsse. Zudem hatte die Staatsanwältin zu diesem Zeitpunkt das Beweismaterial sehr wohl gesichtet – zum Beispiel die Mails und die SMS, die Nef seiner Ex-Freundin geschickt hatte. Einzig das bei der Hausdurchsuchung beschlagnahmte Computermaterial war noch nicht ausgewertet. Diesbezüglich machte die Staatsanwältin dann auch einen Vorbehalt.
Wurde jemals seitens des VBS oder einer anderen Verwaltungsstelle Druck ausgeübt auf die Staatsanwältin, dass sie das Verfahren einstellen soll?
Das halte ich für ausgeschlossen. Erstens sagen die Akten und der Bericht der Justizdirektion klar, dass dies nicht der Fall war. Zweitens hatte ich nie den geringsten Anhaltspunkt, dass jemand in diesem Fall Druck auf sie ausgeübt hätte.
Warum weigert sich Roland Nef eigentlich immer noch, die Strafakte offenzulegen und Klarheit zu schaffen?
Sehen Sie, der Fall ist ja – was Herrn Nef anbelangt – eigentlich seit längerem abgeschlossen. Er wird nun von anderer Seite wieder aufgewärmt.
Von welcher Seite meinen Sie?
Es ist die Seite des Zürcher Fahnders Fredi Hafner. Weil er im Verdacht steht, Akten im Fall Nef den Medien zugespielt zu haben, versucht seine Verteidigung ihn zu entlasten, indem sie den Fall Nef wieder aufwärmt und hochspielt. Die neuerliche Aufwärmung des Falles hat dazu geführt, dass gewisse Medien Aussagen in Polizeiprotokollen plötzlich als Fakten darstellen. So geht es etwa um die Behauptung, Nef habe ein Alkoholproblem. Hätte er ein Alkoholproblem, glauben Sie etwa, dass er die ganze Karriereleiter bis zum Korpskommandanten geschafft hätte?
Schürt Ihr Mandant mit seinem Schweigen nicht bloss neue Gerüchte?
Nicht nur Herr Nef will nichts sagen, auch seine Expartnerin nicht. Das hatten die beiden damals vertraglich so vereinbart.
Wie gelangten Ihrer Meinung nach die Details aus Polizeiprotokollen an die Öffentlichkeit?
Der Zürcher Fahnder Hafner sagt, er sei es nicht gewesen. Die Fakten sind aber erdrückend.
Wird Ihr Mandant etwas unternehmen bezüglich den in den letzten Tagen bekannt gewordenen neuen Details?
Roland Nef will einfach Ruhe haben. Er hat weder die nervliche noch die finanzielle Kraft, weitere rechtliche Schritte zu unternehmen.
Wie geht es Roland Nef eigentlich?
Es geht ihm schlecht.
Inwiefern?
Vor allem gesundheitlich geht es ihm und seiner Familie bedingt durch die ganze Medienschlacht schlecht, sehr schlecht.
Hat Nef wieder eine Arbeit gefunden oder eine Stelle in Aussicht? Nein. Und es ist für ihn so gut wie aussichtslos, wieder eine Arbeit zu finden nach der ganzen Schlammschlacht.
(Berner Zeitung)