Schweizer Arbeitslose sind finanziell weich gebettet

Von Patrick Feuz, Bern . Aktualisiert am 10.06.2009
In Schweden, Dänemark, Holland und in der Schweiz sind Arbeitslose finanziell gut abgesichert. In in den USA und vor allem Grossbritannien trifft es sie viel härter.

Leistungen für Arbeitslose im Ländervergleich

Die Prognosen werden immer trüber. Inzwischen geht die Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich davon aus, dass die Arbeitslosenquote im nächsten Jahr auf 5,8 Prozent steigen wird, was im Schnitt rund 240'000 Arbeitslosen entspricht. Damit erlebt die Schweiz schon bald die seit Jahrzehnten höchste Arbeitslosigkeit.

Dass der Ständerat in dieser Situation beschliesst, die Leistungen der Arbeitslosenversicherung zu kürzen, lässt deshalb viele leer schlucken. Zwar sollen die beschlossenen Abstriche erst ab 2011 gelten, wenn die Wirtschaft Experten zufolge wieder anzieht. Zudem betreffen sie fast ausschliesslich Jüngere. Trotzdem fragen sich immer mehr Menschen, was es für sie finanziell bedeuten würde, den Job zu verlieren.

Schweiz in der Spitzengruppe

In anderern Ländern sind die Sorgen nicht kleiner, sondern in der Regel grösser. In der EU betrug die Arbeitslosenquote im April durchschnittlich 8,6 Prozent, während sie in der Schweiz bei 3,5 Prozent lag. Aber nicht nur das Risiko, arbeitslos zu werden, ist von Land zu Land unterschiedlich. Es ist auch nicht überall gleich einschneidend, die Stelle zu verlieren, zumindest finanziell.

Die Arbeitslosen in der Schweiz stehen im Vergleich sehr gut da. Die meisten Arbeitnehmer, die ihren Job verlieren, erhalten während anderthalb Jahren (400 Taggelder) 70 Prozent ihres Bruttolohns bzw. 80 Prozent, wenn sie für ein Kind sorgen. Finanziell ähnlich gut oder sogar noch besser abgesichert sind Arbeitslose in Dänemark, Holland und Schweden. Zusammen mit diesen Ländern schneidet die Schweiz auch bei den Massnahmen zur beruflichen Wiedereingliederung gut ab.

Leistungen sind Teil der Arbeitsmarktpolitik

Die relativ grosszügigen Leistungen für Arbeitslose in der Schweiz, Dänemark und Holland sind Teil einer Arbeitsmarktpolitik, die ganz bewusst wenig reguliert und zum Beispiel nur einen schwachen Kündigungsschutz kennt, aber im Gegenzug bei Arbeitslosigkeit substanziell hilft – im Fachjargon heisst dieses Konzept «Flexicurity».

Wer in Deutschland seine Stelle verliert, erhält mindestens 12 Monate lang 60 Prozent des Nettolohns (mit Kindern 67 Prozent). Damit sind auch hier die Arbeitslosen finanziell relativ weich gebettet. Hart landen sie in Grossbritannien. Die Leistungen sind auf ein Dreivierteljahr begrenzt und mit 60 bis 90 Pfund pro Woche mickrig.

In den USA erhalten Arbeitslose zwar länger Unterstützung, aber die durchschnittlich 293 Dollar pro Woche reichen ebenfalls nicht zum Leben.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 10.06.2009, 06:57 Uhr

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