Israel ruft Botschafter zu «Konsultationen» zurück
Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanyahu und Aussenminister Avigdor Lieberman entschieden am Montag, den Botschafter in der Schweiz zu «Konsultationen» zurückzurufen, wie ein Sprecher des israelischen Aussenministeriums bekannt gab. Dies aus Protest gegen das Treffen zwischen Bundespräsident Hans-Rudolf Merz und dem iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinejad vom Vortag. Zudem wurde die Schweizer Geschäftsträgerin der Botschaft in Tel Aviv zu einem dringenden Treffen vorgeladen. Das Treffen des Präsidenten eines demokratischen Landes mit einem notorischen Holocaust-Leugner wie Ahmadinejad, der offen die Tilgung Israels von der Landkarte gefordert habe, entspreche nicht den von der Schweiz vertretenen Regeln, hiess es. Der Vorfall wiege noch schwerer, weil das Treffen am Abend vor dem jährlichen Holocaust-Gedenktag Israels stattgefunden habe.
Das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) hat die Rückbeorderung des israelischen Botschafters zur Kenntnis genommen. Das Departement zeigte sich aber überrascht über die Reaktion Israels. So sei Israel im Vorfeld über das geplante Treffen informiert worden. Die israelische Geschäfsträgerin sei vom EDA ebenfalls vorgeladen worden. Das Departement erinnert daran, dass die Schweiz die Interessen der USA im Iran vertritt.
Merz verteidigt das Treffen mit Ahmadinejad
Bundespräsident Merz verteidigte das Treffen in einem Interview von «Radio 1». Er verstehe die Kritik zwar, sie sei aber unberechtigt, sagte er. Die Schweiz spiele eine Rolle in dem nötigen Dialog. So bestehe im gesamten Mittleren Osten ein Konfliktpotenzial von grossem Ausmass. «Es darf nicht sein, dass sich die Fronten zu verhärten beginnen», sagte Merz. Es sei nötig, dass auf faire Art Zusammenhänge aufgezeigt würden, die zum Nachdenken anregten. Dies sei gut gelungen, glaube er.
Für Kritik gesorgt hat aber auch das Verhalten der von Botschafter Dante Martinelli geleiteten Schweizer Delegation an der am Montag eröffneten Uno-Weltkonferenz gegen den Rassismus. Während viele europäischen Delegierten den Saal während der Rede von Ahmadinedschads Rede verliessen, blieben die Schweizer sitzen. Das EDA kritisierte aber, dass die Äusserungen des iranischen Präsidenten über Israel dem Geist und der Absicht der Konferenz widersprächen. Bundesrätin Micheline Calmy-Rey nahm am Montag nicht an der Uno-Weltkonferenz gegen Rassismus in Genf teil. Ob sie an einem der nächsten Tage an der Konferenz teilnehmen wird, war zunächst nicht bekannt.
SVP: Teilnahme der Schweiz unverständlich
Die Parteien stellen die Rolle der Schweiz bei der Uno-Konferenz in Frage. Die SVP bezeichnete die Teilnahme der Schweiz an der Konferenz als unverständlich. Die FDP ruft den Bundesrat auf, zu entscheiden, ob unter den gegebenen Umständen eine Weiterarbeit der Schweiz an der Arbeit der Konferenz noch sinnvoll ist. Während CVP-Präsident Christoph Darbellay das Treffen zwischen Bundespräsident Merz und Ahmadinedschad als zu hoch angesetzt bezeichnete, zeigte sich SP-Parteipräsident Christian Levrat vom Verhalten Israels überrascht.
(vin/ap/sda)
Washington hält an Dialog mit Teheran fest
Die USA wollen trotz neuer anti-israelischer Äusserungen des iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinejad weiter mit Teheran zusammenarbeiten.
«Wir wollen einen direkten Dialog mit dem Iran», sagte der Sprecher des US-Aussenministeriums, Robert Wood, am Montag in Washington. Der Iran müsse sich aber aktiv um die Gunst der internationalen Gemeinschaft bemühen. «Wenn der Iran eine andere Beziehung zur internationalen Gemeinschaft haben will, muss er diese fürchterliche Rhetorik einstellen», sagte Wood vor Journalisten.
Ahmadinejad hatte bei seiner Rede auf der Uno-Antirassismus-Konferenz in Genf offensichtlich in Anspielung auf Israel die Bildung einer «rassistischen Regierung» im Nahen Osten kritisiert. Der stellvertretende Uno-Botschafter der USA, Alejandro Wolff, kritisierte die Äusserungen des iranischen Präsidenten als «widerwärtig und abscheulich». Er forderte die iranische Führung auf, sich künftig gemässigter und konstruktiver zu äussern.