«Schweizerinnen laufen wie Vogelscheuchen umher»

Von David Schaffner, Luzern . Aktualisiert am 19.01.2010
Schweizerinnen seien ungepflegt, unweiblich und würden sich nicht schminken, obwohl sie es bitter nötig hätten, klagt der Präsident der Luzerner SVP.
Hässlich? Kandidatinnen der Miss-Schweiz-Wahl 2009 Bild: KEYSTONE/AP

Ex-Kommunistinnen sind schöner als Schweizer Frauen. Zu dieser – wohl bitteren – Erkenntnis ist ausgerechnet der Präsident der sonst so heimatliebenden Stadtluzerner SVP gekommen. Inspiriert von einer sommerlichen Reise in den Osten setzte sich der 42-jährige René Kuhn vor den Computer und gab seinen Gedanken über die weibliche Schönheit dies- und jenseits der Landesgrenze freien Lauf: «Es ist auffallend, dass in den meisten Ländern die Frauen zu sich schauen und sich demzufolge auch weiblich kleiden und bewegen.

In anderen Ländern achten sie darauf, dass sie gepflegt und nicht verlumpt herumlaufen», ist auf Kuhns Homepage zu lesen. Selbst in einem vom «Kommunismus runtergewirtschafteten und gezeichneten Land» würden die Frauen noch Weiblichkeit ausstrahlen.

Ganz anderes hat Kuhn nach seiner Rückkehr in die Heimat gesehen: «Frauen, welche nichts auf ihr Äusseres geben und man zweimal hinschauen muss, ob es sich um eine Frau oder einen Mann handelt. Frauen, welche in Lumpen herumlaufen, keinen Schmuck tragen und keine Schminke gebrauchen, obwohl sie es dringend nötig hätten.» Und Schweizerinnen in fortgeschrittenem Alter würden sich weigern, die grauen Haare zu färben, schreibt der SVP-Politiker, der auf dem eigenen Kopf kein einziges Haar mehr trägt und vor wenigen Monaten als Kandidat für den Luzerner Stadtrat weniger Stimmen holte als die Konkurrenten der Jungen Grünen und der Jungsozialisten.

«Emanzen und Vogelscheuchen»

Zu allem Überdruss hat Kuhn in seinen Ferien auch erkannt, dass ehemalige Kommunistinnen intelligenter sind als Schweizerinnen: Im Osten gab es «keine einzige Frau, welche mit dem Veloanhänger einkaufen ging oder so dumm ist, ihre Kinder in einen Kinder-Veloanhänger zu setzen und in der Stadt herumzufahren». Hoffnungen darauf, dass sich die Schweizerinnen eines Tages bessern könnten, macht er sich keine. Zwar könnten «Schweizer Frauen noch einiges lernen, aber diese Emanzen laufen lieber wie Vogelscheuchen umher».

Für den TA war Kuhn nicht erreichbar. Allzu gerne hätten wir gewusst, wo genau er in den Ferien war, und ob er bei all den schönen und intelligenten Frauen dort nie ans Auswandern gedacht hat. Wenn nicht vor der Heimat, so doch vor den Schweizer Frauen haben bereits mehrere Luzerner Parteikollegen die Flucht ergriffen: Sowohl Kuhn als auch der Sekretär der Stadtpartei sind mit Russinnen verheiratet. Und Ex-Regierungsrat Daniel Bühlmann ist von einer Frau aus der Dominikanischen Republik geschieden, mit einer anderen gleicher Herkunft lebt er zusammen.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 11.08.2009, 04:00 Uhr

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