So steht es im Bericht, den die Gruppe demnächst VBS-Chef Samuel Schmid übergeben will. Eingesetzt wurde das Gremium im letzten Dezember, nachdem in Zürich Höngg ein Soldat mit seinem Sturmgewehr eine junge Frau erschossen hatte. Nebst dem VBS und anderen Departementen waren auch die Offiziergesellschaft (SOG) und der Schiesssportverband (SSV) in der Expertengruppe vertreten.
Beide Organisationen stehen hinter der Empfehlung, wonach Armeewaffen nicht mehr zwingend zu Hause aufbewahrt werden müssen. «Das ist eine vernünftige Lösung», sagt SOG-Präsident Hans Schatzmann. Und SSV-Direktor Urs Weibel betont: «Für uns ist wichtig, dass ein lizenzierter Schütze sein Gewehr nicht kaufen muss.» Im Übrigen sei das «Obligatorische» nach wie vor gewährleistet. Wer seine Waffe im Zeughaus deponiert habe, müsse sie vor dem Schiessen des Obligatorischen dort holen und danach wieder bringen oder – entgegen den Vorschriften – mit dem Gewehr eines Kollegen schiessen.
Volksinitiative geht viel weiter
Weibel kann auch mit dem zweiten Vorschlag der Expertengruppe leben, den die «NZZ am Sonntag» publik gemacht hat. Danach sollen bestimmte Truppengattungen – etwa Betriebseinheiten – nicht mehr bewaffnet werden. Ob 115'000 oder 100'000 Wehrmänner das Obligatorische schiessen würden, so Weibel, spiele keine grosse Rolle. Auch wenn die Reduktion der Teilnehmerzahl dazu führte, dass die Schützenverbände weniger einnähmen.
Mit ihrer Kompromissbereitschaft reagieren die Schützen und Offiziere auf den Meinungswandel in der Bevölkerung. Laut einer Umfrage der ETH Zürich ist nur noch ein Drittel für die Aufbewahrung der Armeewaffe zu Hause – Tendenz stark sinkend. Vor allem Frauen und Junge können dem Gewehr im Schrank nichts abgewinnen. Aber auch immer mehr Männer und Ältere finden, die Armeewaffe sei im Zeughaus besser aufgehoben. Für SSV-Direktor Weibel ist deshalb klar: «Der Status quo hat politisch keine Chance.»
Ein erstes Zugeständnis erfolgte mit dem Einzug der Taschenmunition. Die freiwillige Waffenaufbewahrung im Zeughaus wäre ein zweiter Schritt. Doch das genügt den Promotoren der Volksinitiative «Für den Schutz vor Waffengewalt» bei weitem nicht. «Gerade jene, in deren Händen Waffen eine Gefahr sind, bringen das Sturmgewehr kaum ins Zeughaus», sagt der Zuger Nationalrat Josef Lang. Für diesen Typ Mann sei die Waffe oft mit Würde verbunden. Lang ist überzeugt, dass Gerold Stadler, der die ehemalige Skirennfahrerin Corinne Rey-Bellet erschoss, seine Offizierspistole nicht im Zeughaus deponiert hätte.
Sagt das Volk Ja zur Initiative, haben die Wehrmänner keine andere Wahl mehr – wobei für lizenzierte Sportschützen eine Ausnahme vorgesehen ist. Laut Lang haben die Initianten bereits 96'000 beglaubigte Unterschriften gesammelt. Und er ist zuversichtlich, dass die noch fehlenden Signaturen bis im Dezember zusammenkommen.
Sache des neuen VBS-Chefs
Auch in den Kantonen steigt der politische Druck. Genf erlaubt seinen Soldaten schon heute, die Waffe im Zeughaus zu deponieren. Dasselbe verlangen die Parlamente der Kantone Wallis, Bern und Baselland. Andere Stände wie Zug, Luzern und St. Gallen wollen abwarten, was der Bund macht. Ihrer Ansicht nach verfügen die Kantone heute noch über keine gesetzliche Grundlage, um die Ordonnanzwaffen im Zeughaus zu lagern.
Das könnte sich nun ändern. Samuel Schmid dürfte die Vorschläge der Expertengruppe aber nicht mehr umsetzen. Und sollte ein SVP-Hardliner Schmids Nachfolger werden, wird er sich wohl hüten, als eine seiner ersten Amtshandlungen die Tradition des Sturmgewehrs im Schrank anzutasten.
(Tages-Anzeiger)