Herr Wermuth, haben Sie schon einen Eintrag im Strafregister?
Nein.
Genau der blüht Ihnen aber. Das Bezirksamt Baden hat wegen der illegalen Hausbesetzung der Juso 32 Strafbefehle erlassen, schreibt die «Aargauer Zeitung». Einer davon geht an Sie.
Das ist falsch. Das Verfahren ist noch nicht abgeschlossen. Und wir haben auch keine Strafbefehle erhalten.
Fühlen Sie sich für dieses Desaster verantwortlich?
Ich kann und will mich nicht von der Aktion der Juso Baden distanzieren. Alle, die bei der Aktion anwesend waren, haben bewusst teilgenommen. Man hat sie darüber informiert, worum es sich bei der Aktion handelt. Grundsätzlich übernehme ich aber die Verantwortung in meiner Funktion als Parteipräsident. Damit muss ich leben.
Würden Sie die Aktion abermals durchführen? Ja. Die Juso wollte auf ein Problem, den Mangel von günstigem Wohnraum, aufmerksam machen. Die Aktion hatte also einen rein politischen Hintergrund. Hingegen war sie dilettantisch organisiert. Das müsste man besser machen.
Sie waren nicht der Initiant…
Ich war zwar an der Sache beteiligt, aber ich habe sie nicht organisiert.
… trotzdem stehen Sie nun im Mittelpunkt und müssen den Kopf hinhalten.
Richtig. Das ist der Preis, den ich als Präsident der Juso Schweiz zahlen muss.
Sind Hausbesetzungen und Demos die richtigen Mittel, um seinen Standpunkt zu vertreten?
Ja, wir profitieren natürlich von der Medienaufmerksamkeit, spielen mit der Provokation. Auch wenn die Gefahr besteht, dass dadurch die eigentliche Botschaft vereinfacht wird.
Sie spielen auch mit Ihrem Bad-Boy-Image.
Das ist Ihre Interpretation.
Bei Juso-Aktionen fragt man sich oft: Was ist Show, was ist Politik?
Wir haben klare politische Anliegen. Schweizweit haben wir in letzter Zeit 15 bis 20 Prozent mehr Neumitglieder und deutlich an politischem Einfluss gewonnen. Dass die mediale Aufmerksamkeit dabei eine grosse Rolle spielt, ist klar. Problematisch wird es für mich erst, wenn kein politischer Hintergrund mehr besteht und es um die reine Selbstprofilierung geht. Das wäre für eine Partei verheerend.
Welche Konsequenzen werden Sie nun aus einem Strafbefehl ziehen?
Ob Strafbefehl oder nicht, spielt keine Rolle. Die Juso muss schon vorher Konsequenzen ziehen – und sich in Zukunft bewusster, länger und genauer überlegen, wie und mit wem man eine Aktion durchführt und mit welchen Konsequenzen man zu rechnen hat. Danach gilt es, abzuwägen, was drin liegt. Das wurde in Baden nicht gemacht.
( Tagesanzeiger.ch/Newsnet )