Lausanne verbietet Massenbetrinken

Aktualisiert am 20.08.2008
Die Lausanner Stadtbehörden haben sich gegen das geplante Massenbesäufnis am kommenden Samstag ausgesprochen. Die öffentliche Sicherheit sei nicht gewährleistet.

Massenhafte Alkoholexzesse auf öffentlichem Grund könnten nicht geduldet werden, hiess es als Begründung.

Die Stadtbehörden hätten von den im Internet agierenden Organisatoren keinerlei Angaben erhalten, wie sie möglichen Gefahren für die öffentliche Sicherheit und Gesundheit vorbeugen wollten.

Für den Fall eines Verbots habe der Initiator angekündigt, dass er via Internet zum Teilnahmeverzicht aufrufen werde, sagte der Lausanner Polizeidirektor Marc Vuilleumier der Nachrichtenagentur SDA. Die Stadt werde ihrerseits ihre Entscheidung durchsetzen, sagte Vuilleumier weiter.

Konkret werden sich Polizisten vor Ort begeben, damit der politische Wille respektiert werde. Im Ernstfall würden sie verhältnismässig und intelligent handeln, betonte Vuilleumier.

Verantwortung abgelehnt

An einem Treffen habe der Initiator jegliche Verantwortlichkeit für mögliche Risiken im Zusammenhang mit dem Massenbetrinken abgelehnt. Solche Veranstaltungen arteten jedoch häufig in Aggressivität, Fahren in angetrunkenem Zustand oder Alkoholkomas aus, sagte Vuilleumier weiter.

Im Bewusstsein dafür, dass mit einem Verbot allein dem Phänomen nicht wirksam begegnet werden kann, hofft die Lausanner Stadtverwaltung, dass die verschiedenen Gespräche in den vergangenen Tagen mit anderen Schweizer Städten zu einer gemeinsamen präventiven Lösung führen werde.

Spanische Modeerscheinung

Die aus Spanien stammenden und als «Botellòn» (grosse Flasche) bekannten Massenpartys schwappen derzeit auf mehrere Schweizer Städte über. Zürich, Bern und Genf sind derzeit mit Aufrufen zu einem Massenbesäufnis konfrontiert. Erklärter und einziger Sinn und Zweck der Anlässe ist es, möglichst viele Junge zusammenzubringen und kollektiv dem Alkoholkonsum zu frönen.

Regelung über die Kantonsgrenze hinaus

Der Berner Stadtpräsident Alexander Tschäppät will den angekündigten Anlass auf keinen Fall tolerieren. Solche Massenbesäufnisse seien nicht nur gesundheits-, sondern auch imageschädigend, hatte Tschäppät am Dienstag gegenüber der «Tagesschau» von Schweizer Fernsehen SF gesagt.

«Man kann solche Anlässe über das Demonstrationsreglement verbieten», sagte der Stadtpräsident. Jurist Tschäppät will zur Not sogar die Polizeiliche Generalklausel bemühen. Lösungen müssten zusammen mit anderen Städten gesucht werden.

(mbr/sda)

Erstellt: 20.08.2008, 11:44 Uhr

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