Es war als Aufruf zur Ruhe und zum Masshalten gedacht. Herausgekommen ist eine Schelte für die Kantonalbanken - zumindest empfanden viele das so. Nationalbank-Vize Hildebrand hatte am Wochenende alle Banken dazu aufgerufen, in ihrer Werbung nicht ungebührlich die Schwäche der UBS auszunützen - im Interesse eines sicheren Finanzplatzes. Das Verhalten von Kantonalbanken bezeichnete er als «absurd».
Dieses Wort sorgte bei den Kantonalbanken für rote Köpfe. Aus zwei Gründen, wie Hanspeter Hess, der Direktor des Kantonalbankenverbands, erklärt: «Hildebrands Vorwurf traf pauschalisierend alle Kantonalbanken, obwohl nur einige wenige gemeint sein können.» Und: «Mich erstaunt, dass man die Raiffeisen-Gruppe überhaupt nicht thematisiert, obwohl vermutlich gerade sie sehr offensiv informiert.»
Verärgert sind viele auch, weil die Grossbanken früher nicht durch grosse Rücksichtnahme aufgefallen waren. Im Fall der Waadtländer Kantonalbank hätten sie deren Schwäche schamlos ausgenützt, heisst es hinter vorgehaltener Hand. «In vergleichbaren Situationen hat man keine vergleichbare Forderung an die Grossbanken gestellt», sagt Hess nur.
Werbung mit totaler Staatsgarantie
Bei der Freiburger Kantonalbank (FKB), die im Zentrum des von Hildebrand entfachten Sturms steht, fehlt jedes Verständnis. In einem Inserat warb sie mit ihrer «totalen Staatsgarantie». «Es war keine Werbung, sondern eine Information für unsere Kunden», sagt FKB-Chef Albert Michel. Täglich habe seine Bank 50 bis 60 Anrufe besorgter Kunden erhalten, die sich nach dem Unterschied von Einlegerschutz und Staatsgarantie erkundigten. Werbung sei im Moment gar nicht nötig: «Die Kunden kommen von alleine zu uns.»
Auch andere fühlen sich an das direktorale Wort aus Bern nicht gebunden. Obwohl sie keine Angaben mehr zum Geldmittelzufluss machen sollte, liess sich die Migrosbank gestern genau dazu verlauten: Im Oktober habe sich der Zufluss noch verstärkt; 500 Millionen Franken an Neugeldern seien vor allem von der UBS in die Migros-Bank geflossen. Zu Hildebrands Intervention sagte Migros-Bank-Chef Harald Nedwed nur: «Wir fühlen uns nicht angesprochen und werden bei unserer Kommunikation keine Änderungen vornehmen.» Die Migros-Bank-Werbung richte sich auf den Kundennutzen aus.
Auch bei den von den Kantonalbanken angegriffenen Raiffeisenbanken fühlt man sich nicht angesprochen. «Wir haben immer betont, dass die Stabilität des Finanzplatzes ein wichtiges Anliegen ist. Wir haben deshalb auch nie mit Lockvogelangeboten Kunden geworben», erklärte Raiffeisen-Sprecher Franz Würth. Das Thema Sicherheit sei thematisiert worden. Aggressiv geworben habe man nicht.
Hildebrands Aufruf geht auf eine Übereinkunft der Bankiervereinigung zurück. Am Montag letzter Woche hatte sich der Ausschuss des Verwaltungsrats auf mehr Zurückhaltung in der Kommunikation geeinigt. «Die langfristigen Interessen des Finanzplatzes haben im Moment ganz einfach Vorrang», sagt dazu Thomas Sutter, Sprecher der Bankiervereinigung.
(Tages-Anzeiger)