Hakan Yakin weiss wie man die Gemüter erhitzt. Bild: KEYSTONE/AP
Als Hakan Yakin am Sonntag ausgewechselt wurde, lag ihm das Gersag-Stadion zu Füssen. Mit Ovationen wurde er vom Platz begleitet, der Trainer umarmte ihn, der Präsident platzte vor Stolz. «Bisch en geile Siech», sagte ihm Rolf Fringer, und Walter Stierli forderte, ebenso euphorisiert, für seinen teuersten Spieler bereits einen Platz im Schweizer WM-Kader.
So geht das in Luzern, so ist das mit Yakin. Wenn er gut spielt, spielt er nicht einfach nur gut, dann ist er das Genie. Wenn er schlecht ist, dann ist er untrainiert und übergewichtig und unsichtbar, dann ist er der schlampige Yakin, der seine Trainer verärgert. Im Mittelmass findet bei ihm nichts statt. Er wird schwarz oder weiss gesehen, für Zwischentöne gibt es keinen Platz. Er hat selber einmal gesagt: «Ich bin kein 08/15-Fussballer.» Und sich in einem Satz perfekt beschrieben.
Trainer kann Yakin zur Verzweiflung bringen, wenn er wieder einmal nicht gut trainiert hat wie in dieser Vorbereitung, als er im Trainingslager in der Südtürkei Rätsel aufgab; er lässt sie staunen wie an diesem Sonntag, als er im Morast von Emmenbrücke die Entscheidung herbeiführte und für Kunststücke besorgt war, die in diesem Land keiner sonst beherrscht.
Alles für seinen Ruf getan
Niemand fragte nach, wie weit er gegen GC rannte, keinen interessierte, dass Ricardo Cabanas gefühlt die doppelte Distanz unterwegs war, jeder sah nur seine Bilanz: zwei Tore, ein Assist. Und dass er für ein Foulspiel verwarnt wurde und gleich noch ein Foul nachlegte, für das er eigentlich die gelb-rote Karte verdient hätte, wurde ihm gar hoch angerechnet: als Zeichen seines körperlichen Einsatzes.
Yakin wird am 22. Februar 33 Jahre alt. Er hat sich damit abgefunden, dass ihm seit Jahren nachgesagt wird, er sei der alternde Spielmacher ohne Lust, sich auf dem Platz mehr zu bewegen als nötig. Kürzlich antwortete er auf die Frage, ob er sich fit fühle: «War ich jemals richtig fit?» Und schickte ein Lachen hinterher, mit dem er zum Ausdruck brachte, dass er die Frage eigentlich nicht mehr hören mag.
Was immer er macht, wie viel oder wie wenig er auch läuft, Yakin hat eine Gabe: Er polarisiert, er schafft es mühelos, sich ständig im Gespräch zu halten. Als er früher mit YB oder Basel nach Luzern kam, wurde er ausgepfiffen wie kaum ein Zweiter. Heute jubeln die Leute ihm hier zu wie keinem anderen ihrer Spieler.
Yakin hat sich den Ruf der Reizfigur selber erarbeitet mit seinen unendlichen Transfergeschichten, seinem Abgang in die Wüste der Arabischen Emirate, seiner Rückkehr in die Schweiz, weil er plötzlich doch merkte, dass seine Zeit noch nicht abgelaufen ist und er sich berufen fühlt, für die Schweiz an der WM in Südafrika teilzunehmen. Dass sein Privatleben zuweilen recht unstet ist, kann da nicht weiter überraschen.
Ohne Yakin geht es doch nicht
Rolf Fringer setzt sich intensiv mit ihm auseinander, Ottmar Hitzfeld tut es. Klub- und Nationaltrainer sehen und kennen seine Mängel. Und kommen doch immer zum Schluss: Ohne einen Yakin in Sonntagsform geht es doch nicht - und sei es nur für eine halbe Stunde.
(Tages-Anzeiger)
| 11.02. | Lausanne - Basel | - : - |
| 11.02. | Thun - Luzern | 1 : 1 |
| 12.02. | Sion - Young Boys | 0 : 1 |
| 12.02. | Servette - Xamax | - : - |
| 12.02. | FC Zürich - Grasshoppers | 2 : 0 |
| Name | Sp | S | U | N | G:E | Pkt | |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 1. | Basel | 19 | 11 | 6 | 2 | 38:17 | 39 |
| 2. | Young Boys | 20 | 9 | 6 | 5 | 30:18 | 33 |
| 3. | Luzern | 20 | 9 | 6 | 5 | 27:17 | 33 |
| 4. | Thun | 20 | 7 | 6 | 7 | 23:22 | 27 |
| 5. | FC Zürich | 20 | 7 | 4 | 9 | 29:27 | 25 |
| 6. | Servette | 19 | 7 | 3 | 9 | 26:32 | 24 |
| 7. | Grasshoppers | 20 | 6 | 1 | 13 | 19:39 | 19 |
| 8. | Lausanne | 18 | 3 | 2 | 13 | 16:44 | 11 |
| 9. | Sion | 20 | 9 | 5 | 6 | 26:18 | -4 |
| 10. | Xamax | 18 | 7 | 5 | 6 | 22:22 | 0 |
| 16.02. | Young Boys - Basel | - : - |
| 18.02. | Xamax - Sion | - : - |
| 18.02. | FC Zürich - Thun | - : - |
| 19.02. | Lausanne - Luzern | - : - |
| 19.02. | Servette - Grasshoppers | - : - |