Zu hoch gepokert: Teammanager Oliver Bierhoff (l.) und Trainer Jogi Löw haben sich selbst in Abseits gestellt. Bild: KEYSTONE/AP
Bundestrainer Löw, soeben 50-jährig geworden, geht ohne Garantie auf eine Weiterbeschäftigung nach Südafrika. Nach heftigen Differenzen, wie deutsche Medien berichten, zwischen der sportlichen Leitung der Nationalmannschaft und der Spitze des Deutschen Fussball-Bundes (DFB) ist die Zukunft des Trainers, aber auch von Teammanager Oliver Bierhoff, nach der ersten WM-Endrunde auf dem afrikanischen Kontinent völlig offen.
Verbandschef Zwanziger sprach nach einer Sitzung in Frankfurt a. M. von «strukturellen Problemen und wirtschaftlichen Fragen», bei denen beide Seiten «zu weit auseinander» für eine schnelle Lösung seien. Wolfgang Niersbach, ehemaliger Journalist und heute Generalsekretär des DFB, sprach von einer vergleichbaren Situation im Jahre 2006, als «Jürgen Klinsmann Bundestrainer war».
«Keine Kraft vergeuden»
Die Kontroverse der beiden Parteien innerhalb des DFB geht offenbar so weit, dass der DFB bei weiteren Verhandlungen die WM-Mission 2010 in Gefahr sieht. «Wir wollen die Vorbereitung auf die WM nicht gefährden und keine weitere Kraft vergeuden», meinte Zwanziger, der offenbar momentan sehr auf Distanz zu Teammanager Bierhoff geht.
Die brisante Situation ist für alle Beteiligten schwer abzuschätzen. Bierhoff sagt, dass «wir gerne weitere Verhandlungen geführt hätten, weil wir wissen, dass uns dieses Thema bis zur WM und auch während des Turniers weiter begleiten wird.» Der Präsident allerdings schiebt den schwarzen Peter Löw und Bierhoff zu. Diese hätten bei Gesprächen im Januar «überraschend neue Vorstellungen» präsentiert, die «aus Sicht des DFB-Präsidiums nicht zu akzeptieren sind».
Signing Fee und Vetorecht?
Um welche Vorstellungen es sich handelt, erklärte Zwanziger nicht. Man darf aber davon ausgehen, dass auch die finanziellen Vorstellungen von Bundestrainer und Teamchef der DFB-Spitze überrissen erschienen. Gemäss «Bild» wollte das Duo für einen neuen Zweijahreskontrakt eine sogenannte «Signing Fee» in der Höhe eines Jahresgehalts kassieren. Die Bonuszahlungen würden auch für die Assistenten fällig. Zudem insistiert Bierhoff auf ein Veto-Recht bei der Suche nach einem zukünftigen Coach.
Dass dies Zwanziger und seinen Gefährten nicht in den Kram passt, ist verständlich. Der Präsident meinte lediglich: «Grundsätzlich sind beide Seiten an einer Fortsetzung der guten Zusammenarbeit interessiert. Aber bei wichtigen inhaltlichen Aspekten konnten wir uns nicht einigen.»
Oder anders ausgedrückt: Löw und Bierhoff haben punkto Vertragsverlängerung zu hoch gepokert und sich bedrohlich tief ins Abseits gestellt.
( Tagesanzeiger.ch/Newsnet )