Schnappen uns die Deutschen Hitzfeld weg?

Von Thomas Niggl. Aktualisiert am 08.02.2010
In Deutschland tobt derzeit ein Machtkampf zwischen der Verbandsführung und Nationaltrainer Jogi Löw. Muss Löw nach der WM gehen, könnte Ottmar Hitzfeld zum Thema werden.
topelement Gemeinsame Vergangenheit: Ottmar Hitzfeld und Franz Beckenbauer verbindet eine gute Freundschaft.
Die Kernfrage ist: Haben Deutschlands Teamchef Jogi Löw und Manager Oliver Bierhoff bei den Vertragsverhandlungen mit DFB-Präsident Dr. Theo Zwanziger zu hoch gepokert und riskieren damit nach der WM ihren Rausschmiss? Wenn ja, dann könnte nach Südafrika Nati-Coach Ottmar Hitzfeld erneut ein Thema werden.

Die vorzeitige Vertragsverlängerung mit Löw schien nur noch eine reine Formsache zu sein. Doch plötzlich eskalierte die Situation. Löw dementierte zuletzt einen Handschlagvertrag mit Zwanziger und bezichtigte den DFB-Boss damit indirekt der Lüge. Zwanziger reagierte aufgebracht und war verärgert. Und Teammanager Bierhoff, der für den ganzen Trainerstab verhandelte, stellte plötzlich neue Forderungen. Bierhoff fordert unter anderem ein Veto-Recht bei der Wahl des Bundestrainers und ein zusätzliches Jahresgehalt bei Vertragsunterzeichnung auch für Löw.

Ein Machtkampf um die Kompetenzen für die deutsche U-21-Nati zwischen DFB-Sportdirektor Matthias Sammer und dem Duo Löw/Bierhoff goss zusätzlich Öl ins Feuer. Zwanziger stoppte daraufhin umgehend sämtliche Verhandlungen mit Löw und Bierhoff. Sie werden nun bis nach der Weltmeisterschaft auf Eis gelegt. «Wir konnten uns bei wichtigen inhaltlichen Aspekten nicht einigen, die aus Sicht des DFB-Präsidiums auf die Satzung nicht zu akzeptieren sind.» Bierhof sagt: «Es lagen zwei Vorschläge auf dem Tisch, aber wir konnten uns nicht einigen.»

Hoeness und Beckenbauer sind Hitzfeld-Fans

Gibt es nach der WM überhaupt noch eine Einigung? Wohl kaum – und dann könnte durchaus wieder Ottmar Hitzfeld ins Spiel kommen, auch wenn der Lörracher gerade erst seinen Vertrag mit der Schweizer Nati um zwei Jahre bis nach der Europameisterschaft 2012 verlängert hat. Hitzfeld war schon einmal absoluter Wunschkandidat als deutscher Bundestrainer. Aus gesundheitlichen Gründen hatte er schweren Herzens auf eines der attraktivsten Ämter im Weltfussball verzichtet und dem DFB eine Absage erteilt.

Hitzfeld hat in Deutschland immer noch einen klingenden Namen. Er hatte mit Dortmund und den Bayern alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt. Bayerns Ehrenpräsident Franz Beckenbauer und der neue Chef Uli Hoeness gelten als die einflussreichsten Macher in der deutschen Fussballszene. Beide sind erklärte Anhänger von Ottmar Hitzfeld.

Der Rat und der Tipp von Günter Netzer

Wenn die Deutschen Hitzfeld partout wollen, dann spielt dabei auch Geld, sprich eine Ablösesumme in Millionenhöhe an den Schweizer Verband, überhaupt keine Rolle. Hitzfeld gilt in Deutschland als Trainer mit dem Sieger-Gen, der Gentleman aus Lörrach geniesst den grössten Respekt und das Vertrauen der Verantwortlichen, der Fans und den Medien. Alle würden ein Engagement Hitzfelds begrüssen. Zudem warten die Deutschen seit dem Gewinn der Europameisterschaft 1996 in England mit Sehnsucht auf den Gewinn eines grossen Titels.

ARD-Experte Günter Netzer sagt, dass Hitzfeld in jedem Fall eine Alternative und ein Glücksfall für Deutschland wäre. Er gibt gegenüber Tagesanzeiger.ch/Newsnetz aber auch klar zu verstehen: «Ich persönlich schliesse es aus, dass Hitzfeld jetzt noch den Job des deutschen Teamchefs annehmen würde.» Hitzfeld wolle sich diesen Stress nicht noch einmal aufbürden. «Bevor Jürgen Klinsmann Teamchef wurde, war Hitzfeld der Wunschkandidat des DFB», sagt Netzer. Er habe ihn auch zur Annahme dieses Jobs dringend geraten. «Doch er hatte schon damals einfach nicht mehr die Kraft, noch einmal ins ganz grosse Geschäft einzusteigen», sagt Netzer. Und das werde wohl auch so bleiben.

( Tagesanzeiger.ch/Newsnetz )

Erstellt: 08.02.2010, 16:19 Uhr

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