Sions Serey Die, der Wettverdacht und der neue Porsche

Von Peter M. Birrer . Aktualisiert am 22.03.2010
Der Sittener Präsident Christian Constantin hat Hinweise erhalten, dass bei GC - Sion am Mittwoch (2:0) nicht alles sauber zuging.
Liess Die sich für eine rote Karte bezahlen? Anzeichen für einen Betrug sind vorhanden. Bild: KEYSTONE/AP

Normalerweise verheisst es nichts Gutes für den Trainer des FC Sion, wenn Christian Constantin eine kurzfristige Einladung für eine Pressekonferenz verschickt. Gestern hatte der Präsident der Walliser um 14.15 Uhr in der Schaltzentrale seines Vereins im Hotel Porte d’Octodure von Martigny aber ganz anderes mitzuteilen als eine Freistellung: Es ging darum, auf den am Vorabend geäusserten Manipulationsverdacht beim Meisterschaftsspiel GC - Sion (2:0) vom letzten Mittwoch im Letzigrund näher einzugehen. Und es ging vor allem um den Spieler Serey Die, einen 25-jährigen Mittelfeldspieler von der Elfenbeinküste und nicht eben ein Kind von Traurigkeit. Er hatte es in nur eineinhalb Jahren auf nicht weniger als fünf rote Karten gebracht. Am Mittwoch leistete sich Serey Die den nächsten Aussetzer. Nach 38 Minuten langte er dem Zürcher Toko ins Gesicht. Schiedsrichter Jérôme Laperrière taxierte die Aktion als Tätlichkeit. Präsident Constantin glaubte seinen Augen nicht zu trauen. Er bezeichnete Serey Dies Dummheit kurzerhand als «kriminell».

Verdächtig hohe Wetteinsätze

Tags darauf erhielt der Präsident einen Anruf aus London und den Hinweis, für das Spiel GC - Sion seien verdächtig hohe Wetteinsätze eingegangen. Für Constantin, der früher Telefonate von Spielern abhören liess, war es ein Alarmsignal, das ihn zum Handeln zwang. Er informierte umgehend Bundesanwalt Alberto Fabbri und bat ihn, eine Untersuchung einzuleiten. Auf ein

Gespräch mit Serey Die verzichtete er: «Er würde sowieso sagen, dass alles aus der Luft gegriffen sei.» Und: «Er hat in den letzten Monaten die Telefonnummer vier- oder fünfmal gewechselt.» Constantin wartet nun gespannt auf die Ergebnisse der Untersuchungen. Die Bundesanwaltschaft wollte gestern keinen Kommentar abgeben.

Die Frage nach dem Porsche

Constantin sagt zwar nicht, dass den Ivorer eine Schuld treffe und er absichtlich seinen Platzverweis provoziert habe. Er sammelt aber Indizien, die Serey Die zum Verdächtigen machen. Zum Beispiel fährt der Spieler seit neuestem einen Porsche Cayenne. Constantin erkundigte sich, woher er das Geld für einen solchen Wagen habe: «Ich fragte: ‹Hast du im Lotto gewonnen?› Er antwortete: ‹Mein Manager hat mir das Auto bezahlt.›»

Am Mittwoch noch hatte Constantin, erbost über den miserablen Auftritt seiner Mannschaft, den Letzigrund fluchtartig Richtung Wallis verlassen, an eine allfällige Manipulation dachte er nicht. Dafür entschloss er sich, Serey Die zu büssen und ihm bis Ende Saison keinen Lohn mehr zu überweisen. Auch GCTrainer Ciriaco Sforza fiel nichts Besonderes auf. «Mich interessiert es auch nicht, welche disziplinarischen Probleme sie beim FC Sion haben», sagte er, «Serey Die flog ja nicht das erste Mal vom Platz.»

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 22.03.2010, 08:08 Uhr


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