Es ist die Nummer 152 in der Weltrangliste der Fifa. Knapp vor den Solomon-Inseln, Malediven und den Seychellen. Ein Land mit etwas mehr als 100 Vereinen und knapp 30 000 aktiven Fussballern. Bei der Qualifikation zur WM 2006 gab es gegen Liechtenstein zu Hause ein 0:4, «ihr macht euch nur noch lächerlich», haben die eigenen Fans damals eine Halbzeit lang hämisch gesungen, und auswärts ein 0:3. Anfang der 80er-Jahre hatte es 35 Niederlagen in Folge gegeben.
Das ist Luxemburg. Ein kleines Land, ein Zwerg im Fussball.
Gestern, es war zehn Uhr abends, rutschte Ottmar Hitzfeld nervös und angespannt auf seinem Stuhl im Letzigrund hin und her, stützte einmal die Arme auf seine Knie, lehnte sich wieder zurück, mit gequältem Gesicht. Was er sah, war schlimm, beinahe nicht fassbar und vor allem vorher nie denkbar. «Wie hoch wird die Schweiz gewinnen?», war er tags zuvor gefragt worden. Hitzfeld hatte die Frage nicht gerne gehört, er fordert immer Respekt, aber alles andere als ein Sieg war auch für ihn kein Thema. Für niemanden.
Es stand 1:1, kurz nach zehn Uhr, die Zuschauer pfiffen immer lauter, die Spieler brachten kaum mehr einen Fuss vor den andern, die Leistung war nicht mehr schlecht, sondern hundsmiserabelgrottenschlimm - und dann wurde aus dem Trauerspiel gar eine Schande. Es fiel das 1:2, Hitzfeld versank nicht im Boden, weil ihn der Stuhl davon abhielt, doch all die Sorgenfalten, die auch schon sein Gesicht prägten, waren wieder hervorgerufen. Er war bleich, das Spiel bald zu Ende, unfassbar alles, Hitzfeld stand kurz still und schritt, ohne einen Blick zurück, schnell zur Kabine.
Das 0:1 damals in Baku gegen Aserbeidschan blieb ewig mit dem Namen von Rolf Fringer verbunden. Zu diesem 1:2 gegen Luxemburg gehört jetzt Ottmar Hitzfeld, von dem wir alle glaubten, er sei ein Glücksfall für den Schweizer Fussball. Er warnte stets vor zu grossen Erwartungen, hätte beinahe abgesagt, als von einem Messias die Rede war. Wenn Bayern für einmal peinlich verlor, nagte dies bei ihm einige Tage, und dann hatte er die Möglichkeit zur raschen Korrektur. Jetzt geht es über einen Monat, bis Lettland kommt. Und bereits ist es das Spiel der allerletzten Chance.
1:2 gegen Luxemburg, undenkbar. Es ist die Wahrheit. Die kann mehr als nur bitter sein.
(Tages-Anzeiger)