Statt Aufbruch die Nacht der Blamage im Letzigrund

Von Peter Herzog, Zürich . Aktualisiert am 11.09.2008
Das 1:2 gegen Luxemburg lässt Ottmar Hitzfeld ratlos. Der Trainer rang um Fassung.

Für das Schweizer Nationalteam und für Ottmar Hitzfeld wird dieser 10. September 2008 haften bleiben als das unfassbare Debakel vom Letzigrund. Dieses 1:2 schleppen die Schweizer nun als Hypothek durch die gesamte WM-Qualifikation. Rolf Fringer meinte als Experte des Schweizer Fernsehens: «Der Ballon der Euphorie ist zerplatzt.»

Hitzfeld stand wie erschlagen vor der Kamera, rang um Fassung und sagte: «Wir haben uns blamiert. Wir waren keine Einheit, es war nicht auf jeden Verlass.» Und besonders bitter für Hitzfeld war, dass sich sein Team zweimal von Jeff Strasser übertölpeln liess. Zuerst traf dieser mit einem direkt verwandelten Freistoss zum 0:1. Beim zweiten Gegentor in der 86. Minute spielte Strasser den Ball flach zu Leweck, der alleine vor Benaglio in die Ecke traf.

«Wir sind bei den Zusammenzügen mit der Nationalmannschaft Zimmerkollegen», sagte Strasser. «Und manchmal sprechen wir auf dem Zimmer auch über Fussball.» Er habe Leweck beim Freistoss zugerufen: «Lauf los, und mach ihn rein.»

Auf die Frage eines luxemburgischen Journalisten, wie es möglich sei, dass eine Mannschaft, die vorwiegend aus Fussballern zusammengesetzt ist, die bei guten europäischen Klubs unter Vertrag sind, gegen die Amateure von Luxemburg die Leistung nicht abrufen könne, sagte Hitzfeld karg: «Es gibt keine Erklärung.»

Zur Pause sei er überzeugt gewesen, dass dieses Spiel noch gewonnen werde. «Ich dachte, jetzt geht ein Ruck durch die Mannschaft.» Doch das Gegenteil war der Fall, und das Tor zum 1:2 nannte Hitzfeld «einen Schock». In der Niederlage lerne man die Leute kennen, wer zu einem stehe und wer nicht, sagte Hitzfeld, und dass er immer noch glaube, die WM-Qualifikation zu schaffen. «Es ist ein grosser Sieg für uns und er ist verdient» freute sich Luxemburgs Guy Hellers. Der Coach wird mit seinen Fussballern eine turbulente Nacht auf der Bus-Rückfahrt erlebt haben.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 11.09.2008, 06:29 Uhr

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