Die Entscheidung: Leweck erzielt das 2:1 für den Underdog. Bild: KEYSTONE/AP
Ein solches Szenario haben sich wohl nicht einmal die Luxemburger in ihren süssesten Träumen vorgestellt: Auswärtssieg bei einem EM-Teilnehmer nach zwölf verlorenen WM-Ausscheidungsspielen in Serie. Der frühere Bundesliga-Profi Jeff Strasser hatte die Gäste in der 27. Minute mit einem nicht unhaltbaren Freistoss in Führung geschossen. Nach dem Ausgleich von Blaise Nkufo (43.) mittels Kopfball nach einer Flanke von Hakan Yakin war Strasser in der 86. Minute auch am sensationellen Siegestreffer der Luxemburger massgeblich beteiligt. Strasser lancierte Alphonse Leweck mit einem Freistoss an der Mauer vorbei und dieser traf durch die Beine von Diego Benaglio hindurch ins Netz.
Ironie der Geschichte ist, dass Leweck schon für den letzten Sieg der Luxemburger am 13. Oktober 2007 gegen Weissrussland verantwortlich war. Davor hatten die Luxemburger zwölf Jahre auf einen Sieg warten müssen. Für Luxemburg war es der erste Vollerfolg über die Schweiz im zehnten Spiel. Neben acht Niederlagen hatte es einzig im März 1996 zu einem 1:1 über das damalige Team von Artur Jorge gereicht.
Erstmals wieder mit Frei
Wie schon am Vortag angekündigt, setzte Hitzfeld gegen die extrem defensiv erwarteten Luxemburger auf eine deutlich offensivere Formation als noch am letzten Samstag in Tel Aviv gegen Israel. Captain Alex Frei kehrte nach seiner dreimonativen Verletzungspause in den Angriff zurück und spielte damit erstmals von Beginn weg an der Seite von Nkufo. Hinter dem Zweimannsturm spielte mit Yakin ein dritter Angreifer und auch die beiden Aussenläufer Tranquillo Barnetta und Valentin Stocker waren vor allem als wichtige Flankengeber vorgesehen.
Während Stocker Barnettas Position im linken Mittelfeld einnahm, spielte der Leverkusener auf der rechten Seite für den angeschlagenen Valon Behrami, der wegen Adduktorenproblemen, nur auf der Tribüne Platz nahm – wie der erkrankte Benjamin Huggel auch. Von Hitzfeld eine Denkpause erhielt Stephan Lichtsteiner, der in Israel unglücklich agiert hatte und am 2:2-Ausgleichstreffer der Israeli in der Nachspielzeit mitbeteiligt gewesen war.
Kaum zwingende Chancen
Für übermächtigen Druck vermochte diese Formation jedoch nicht zu sorgen. Die Luxemburger standen mit neun Mann vor dem eigenen Strafraum und bildeten damit das befürchtete Abwehr-Bollwerk. Gerade drei halbe Chancen vermochten sich die Schweizer bis zum 1:1-Ausgleich Nkufos zu erarbeiten. Johan Djourou (1.), Frei (6.) und Nkufo (21.) schlossen ihre Versuche jedoch zu unpräzise ab, als dass der Luxemburger Goalie Jonathan Joubert hätte in ernsthafte Schwierigkeiten geraten können.
Besser machten es die Gäste, die nur einmal vor Diego Benaglio auftauchten und auch gleich skorten. Strasser liess sich die Chance zur Führung nicht entgehen und traf nach einem Foul Barnettas mittels Freistoss aus rund 20 Metern durch die hochspringende Schweizer Mauer hindurch zum sensationellen 1:0. Der Ball war jedoch zu wenig genau platziert, um ihn als unhaltbar taxieren zu können.
Es war ein Super-Gau für die Schweizer gegen einen nur das Spiel zerstörenden Gegner. Mit seinem zweiten Treffer unter Hitzfeld korrigierte Nkufo bis zur Pause die erste Peinlichkeit, doch das 1:2 im eigenen Stadion ist eine Riesen-Blamage und deckte bedenkliche und auch ungewohnte Schwächen auf. Wie schon in Israel verfügte die Schweiz über zuwenig Erfahrung und Routine, um sich aus heiklen Situationen zu befreien. Sie war in keiner Phase fähig, Ordnung ins Spiel zu bringen und die Partie zu kontrollieren.
Teures Handicap
Zusammen mit den beiden in Tel Aviv in der Nachspielzeit verlorenen Punkten hat die Schweiz in dieser WM-Ausscheidung nach nur zwei Spielen jetzt bereits fünf Zähler verloren. Ein Handicap, das noch teuer bezahlt werden könnte.
(fal/si)