Grund zum Jubeln: Im Jahr 2001 gelang es dem ZSC erstmals im NLA-Playoff ein 1:3 wettzumachen. Bild: KEYSTONE/AP
Es war gestern Mittwochmittag ganz still im ZSC-Training. Keiner wagte den Versuch, gute Stimmung zu verbreiten. Und auch aufs abschliessende Penaltyschiessen, bei dem in der Regel angelaufen wird, bis der Vorletzte getroffen hat, und das für Sprüche und Lacher zu sorgen pflegt, wurde verzichtet. «Keiner hatte Lust, gross zu reden», sagte Adrian Wichser nach der gut 20-minütigen Einheit, die vor allem dazu da war, die Beine zu lockern. «Jeder ist frustriert. Das spürt man. Und das ist auch gut so. Jetzt gilt es, diese Emotionen in die richtige Richtung zu lenken, in Zug einen guten Match zu zeigen und ein weiteres Heimspiel zu erzwingen.»
«Wie isst man einen Elefanten?»
Wer 1:3 zurückliegt, ist in der Tat gut beraten, nicht mehr in «grossen Bildern» zu denken. Larry Huras fragte im Final 2001, als er mit dem ZSC gegen Lugano in der gleichen misslichen Lage war, die Journalisten: «Wie isst man einen Elefanten?» Die Antwort gab der gewandte Rhetoriker – natürlich – gleich selber: «Bissen für Bissen.»
In jener legendären Finalserie gegen die Bianconeri wurde der unberechenbare Schwede Morgan Samuelsson zum Mann des Umschwungs und schliesslich zum Meisterschützen in Overtime. Bei der jüngsten ZSC-Wende, im Final 2008 gegen Servette vom 0:2 zum 4:2, kehrte für Spiel 3 der noch kränkelnde Severin Blindenbacher in die Mannschaft zurück. Teamarzt Gery Büsser chauffierte ihn damals im Fond seines Autos nach Genf, Blindenbacher inspirierte seine Kollegen und setzte zudem mit einer harten Charge Servettes Vorkämpfer Jean-Pierre Vigier ausser Gefecht.
Simpson fehlt ein Joker
Simpson hat diesmal keinen Joker zu spielen. Der lädierte Domenico Pittis, über dessen Verletzung nichts Genaueres verraten wird, war gestern zwar wieder auf dem Eis. Doch nur kurz. Ein Einsatz heute ist, obschon der Kanadier alles unternehmen wird, um zu spielen, eher unwahrscheinlich. Am Dienstag war ihm anzusehen, wie schwer es ihm fiel, tatenlos zuschauen zu müssen. Simpson ist überzeugt, sein Team hätte jedes der letzten drei Spiele gewinnen können. «Gewinnen können, nicht müssen», präzisiert er. «Doch der Puck lief nie für uns. Wir brauchen ein klein bisschen Glück, einen Entscheid des Schiedsrichters für uns, ein kurioses Tor, dann kann alles kehren.»
Samuelsson und Co. machten 2001 erstmals im NLA-Playoff ein 1:3 wett. Inzwischen sind grosse Comebacks beinahe zur Normalität geworden. Simpson weiss wieso: «Mit den neuen Regeln, die offensives Spiel begünstigen, ist es einfacher geworden, den Umschwung zu schaffen.» Früher habe sich das führende Team im Notfall auf das Zerstören des gegnerischen Spiels konzentrieren können. In den letzten vier Playoffs wurde jeweils mindestens ein 1:3 noch gekehrt. Dies verhalf der alten Eishockey-Weisheit, der vierte Sieg sei der schwierigste, zu einem ungeahnten Popularitätsschub. Man wird sie in den nächsten Tagen und Wochen noch oft hören, wenn verschwitzten Hockeyanern Mikrofone ins Gesicht gestreckt werden.
Die Frage nach dem Hunger
Die Meister der spektakulären Umschwünge sind die Davoser, die auf dem Weg zu den letzten beiden Titeln, 2007 und 09, ein 1:3 im Viertelfinal aufholten. Um in solch heiklen Momenten nicht zu zerbrechen, braucht man Erfahrung. Die haben die ZSC Lions auch. Doch der unbändige Siegeswille, der den HCD auszeichnet, ist bei ihnen derzeit nicht auszumachen. Wäre Huras noch ZSCTrainer und würde er seinen Spruch zum Elefanten recyclen, man könnte ihm mit einer Gegenfrage antworten: Wie hungrig sind die Löwen noch?
(Tages-Anzeiger)
| 28.01. | Ambri - Fr. Gotteron | 1 : 2 |
| 28.01. | Bern - Kloten Flyers | 5 : 0 |
| 28.01. | Biel - Servette | 1 : 0 |
| 28.01. | SCL Tigers - Zug | 4 : 3 |
| 31.01. | Davos - Rapperswil-Jona Lakers | 5 : 1 |
| 14.02. | ZSC Lions - Lugano | 0 : 4 |
| Name | Sp | S | U+ | U- | N | G:E | Pkt | |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 1. | Zug | 46 | 22 | 8 | 9 | 7 | 160:125 | 91 |
| 2. | Davos | 46 | 25 | 6 | 3 | 12 | 140:108 | 90 |
| 3. | Fr. Gotteron | 46 | 24 | 6 | 3 | 13 | 146:111 | 87 |
| 4. | Bern | 47 | 23 | 5 | 6 | 13 | 147:121 | 85 |
| 5. | Kloten Flyers | 46 | 24 | 1 | 6 | 15 | 141:109 | 80 |
| 6. | Lugano | 46 | 19 | 5 | 5 | 17 | 145:142 | 72 |
| 7. | ZSC Lions | 45 | 17 | 7 | 3 | 18 | 123:121 | 68 |
| 8. | Servette | 47 | 15 | 5 | 9 | 18 | 110:115 | 64 |
| 9. | Biel | 46 | 17 | 4 | 3 | 22 | 103:115 | 62 |
| 10. | SCL Tigers | 46 | 11 | 5 | 3 | 27 | 114:158 | 46 |
| 11. | Ambri | 46 | 9 | 6 | 7 | 24 | 93:138 | 46 |
| 12. | Rapperswil-Jona Lakers | 45 | 11 | 1 | 2 | 31 | 91:150 | 37 |
| 03.02. | Ambri - ZSC Lions | 0 : 4 |
| 03.02. | Biel - Kloten Flyers | 2 : 3 |
| 03.02. | Servette - Zug | 1 : 2 |
| 03.02. | Rapperswil-Jona Lakers - Fr. Gotteron | 1 : 3 |
| 03.02. | Lugano - SCL Tigers | 5 : 4 |
| 03.02. | Davos - Bern | 3 : 2 |