Rennstallkäufer sind nicht sauber

Von Jean François Tanda, Marco Zanchi . Aktualisiert am 28.09.2009
Der Schweizer Treuhänder distanziert sich von Sauber-Investoren, nachdem zwei Qadbak-Exponenten ins Visier der Strafjustiz geraten sind.
Idylle in Hinwil: Noch flattern die BMW-Fahnen im Zürcher Oberland, doch die neuen Sauber-Investoren geraten ins Zwielicht. Bild: KEYSTONE/AP

BMW und Rothschild: In den Verkauf des Formel-1-Rennstalles Sauber sind ganz grosse Namen involviert. Ob deshalb die über 400 Arbeitsplätze in der Basis des Formel-1-Teams in Hinwil gesichert sind, bleibt aber ungewiss. Denn Zweifel an der Seriosität der neuen Investoren, die sich hinter der Firma Qadbak verstecken, bleiben bestehen – obwohl es sich neusten Spekulationen in London zufolge um vermögende indische Familien handeln soll.

Englische Medien haben diese Woche berichtet, dass zwei Qadbak-Exponenten – Russell King und Nathan Willett – im Visier der Strafjustiz sind. Es geht um eine Firma auf der Insel Jersey, in der die beiden Qadbak-Männer Funktionen innehatten. Die Joint Financial Crimes Unit der Insel Jersey ermittelt wegen Betrugs, bestätigt Sprecherin Louise Journeaux. Für Qadbak-Exponent King keine Premiere: Nachdem er seinen 600’000 Pfund teuren Aston Martin versteckt und der Versicherung als gestohlen gemeldet hatte, musste er in den Neunzigerjahren zwei Jahre lang ins Gefängnis. Das sind unerfreuliche Nachrichten für einen renommierten Treuhänder in Zürich: Er hat Qadbak gegründet und sein Name taucht im Zusammenhang mit der Firma immer wieder auf – auch im englischen Fussball, wo Qadbak im Juli 2009 den Viertligisten Notts County gekauft hat, kennt man den Namen des Zürcher Treuhänders.

Website ist plötzlich nicht mehr online

Das ist nicht die einzige Spur der neuen Sauber-Käufer an die Zürcher Bahnhofstrasse: Auch die Swiss Commodity Holding, in der «Qadbak-Director» Nathan Willett und sein Vater Verwaltungsräte sind, hat mit dem renommierten Treuhandbüro zu tun: Bis Donnerstagmittag hatte die Holding laut ihrer Website die gleiche Adresse wie die Treuhänder. Am Donnerstagnachmittag wurde sie plötzlich geändert, seit Freitag ist die Website offline. Damit sind auch die Angaben von Swiss Commodity Holding offline, wonach die Firma Vermögenswerte in Höhe von 160 Milliarden Franken verwalte. Ein Unternehmen, das niemand kennt, aber so gross sein soll wie der Zuger Rohstoffgigant Glencore, die grösste Firma der Schweiz.

Zweifel am Sauber-Deal gibt es, seitdem der Verkauf an Qadbak bekannt wurde. Anders als von BMW dargestellt, handelt es sich bei Qadbak nachweislich nicht um «eine in der Schweiz ansässige Stiftung», sondern um eine gewöhnliche Gesellschaft der British Virgin Islands. BMW-Sprecher Jörg Kottmeier: «Die Tatsache, dass ein Schweizer Trustspezialist Qadbak gegründet hat, bestätigt unseres Erachtens die Bezeichnung von Qadbak als in der Schweiz ansässiger Stiftung.» Nun drängt sich die Frage auf: Wurden BMW und Rothschild von Qadbak über den Tisch gezogen?

Der Verkaufspreis für Sauber soll bei 65 Millionen Euro liegen. Hinzu kommen Kosten für den Rennbetrieb von 100 Millionen Dollar pro Jahr. Beträge, die zur Vorsicht mahnen sollten. So hat sich BMW prominente Hilfe geholt: Die Investmentbank Rothschild. «N M Rothschild war für BMW beim Verkauf des SauberFormel-1-Teams an Qadbak Investments tätig», bestätigte ein Sprecher am Freitag Recherchen der «SonntagsZeitung». Zu weiteren Einzelheiten der Transaktion werde man sich nicht äussern, lässt die führende Londoner Investmentbank ausrichten.

(SonntagsZeitung)

Erstellt: 28.09.2009, 09:19 Uhr

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