Schlagkräftig: Roger Federer an den US Open im Spiel gegen den Stuttgarter Andreas Beck. Bild: KEYSTONE/AP
Das «Wall Street Journal» hatte in einer kleinen Vorschau auf Roger Federers zweiten Einsatz am US Open gestern Einiges versprochen: «Das Ziel des Hauszauberers ist es, in drei Sätzen zu gewinnen, wieder einen Winner zwischen den Beinen zu schlagen – aber dieses Mal links und mit verbundenen Augen.» Der Hauszauberer führte zwar gegen den Stuttgarter Linkshänder Andreas Beck (ATP 104) schon nach einer Viertelstunde 5:0 und gewann 6:3, 6:4, 6:3. Trickschläge wie im ersten Spiel gab es diesmal aber nicht zu bewundern – und im dritten Satz schlug er sich mit seinem Zauberstab sogar ein Bein blutig.
Hitze und starker Wind
Bei schwierigen Bedingungen – Hitze, starker Wind – hatte der in Hellblau spielende Federer nach dem schnellen Start einiges zu tun, um das wilde Angriffsspiel Becks zu bändigen. Er tat das ohne Schwäche, breakte den Schwaben zum 3:2 im zweiten sowie im ersten und letzten Game des dritten Satzes und untermauerte seinen Status als Turnierfavorit. Er wird auch im dritten Einsatz klar favorisiert sein, wenn er am Samstag auf den Franzosen Paul-Henri Mathieu (ATP 109) treffen wird. Gegen den Bezwinger von Lleyton Hewitt verlor er in vier Duellen nur einen Satz.
Beck hatte sich enorm auf das Duell mit seinem Idol gefreut, seine Laune verschlechterte sich aber zusehends. Er leistete sich 36 unerzwungene Fehler, doppelt so viele wie Federer. «Die Hitze war kein Problem für mich, der Wind wirkte kühlend», sagte der Sieger, der in den zwei vorangegangenen spielfreien Tagen nur wenig trainiert hatte. «Das war der perfekte Start für mich. Ich spielte am Tag und am Abend, habe schon nach zwei Runden viele Antworten erhalten und weiss, wo ich stehe.» Die Gegner seien zwar nicht allzu stark gewesen, «aber das wird sich nun ändern».
Chiudinelli problemlos
Auch für die anderen zwei Schweizer lief bisher alles nach Plan. Marco Chiudinelli (ATP 63) kontrollierte am späten Mittwoch die Partie gegen den amerikanischen Juniorenmeister Jack Sock (ATP 651) abgesehen vom dritten Satz sicher. «Ich wusste, dass er dieses Niveau nicht würde halten können», sagte Chiudinelli, der vergangene Woche vier Tage lang mit Fieber, Kopf- und Halsweh im Bett gelegen war. In der 2. Runde trifft er heute auf den 206 cm grossen John Isner (ATP 20), den bestklassierten verbliebenen Amerikaner. Dieser hatte ihm in Paris eine wenig zwingende Viersatzniederlage zugefügt, wurde vor dem US Open aber von einer Knöchelverletzung gebremst. Isners Bekanntheitsgrad ist dramatisch gestiegen, seit er in Wimbledon die längste Partie der Tennisgeschichte gegen Nicolas Mahut nach 665 Minuten mit 70:68 im fünften Satz gewann.
Wawrinka nun gegen Chela
Stanislas Wawrinka (ATP 27) trifft derweil schon zum dritten Mal am US Open auf den Argentinier Juan Ignacio Chela (51), nach einem Erstrundensieg 2006 und einer Niederlage im Achtelfinal im Jahr darauf. «Das dürfte schwierig werden, denn er fühlt sich hier immer wohl», sagte der Lausanner. Wenigstens werden von ihm keine Zaubertricks erwartet.
(Tages-Anzeiger)