Es war schon ein etwas skurriles Bild, als das US-Team am Freitag die grosse Bühne zum Achtelfinal im Davis-Cup gegen die Schweiz betrat. Während die Spieler und auch der gesamte Staff einheitlich im US-Sportdress aufliefen, präsentierte sich Jim Courier vornehm im Anzug. «Ich wollte einfach nur klarstellen, dass ich hier auf keinen Fall den Schläger schwingen werde», scherzte Jim Courier nach dem Sieg gegen die Schweiz. Der Spass stand für Courier schon die ganze Woche während der Vorbereitung im Vordergrund. An jeder Pressekonferenz im Vorfeld sorgte das US-Team mit humoristischen Einlagen für beste Unterhaltung; dabei trat Courier immer im Trainingsanzug auf – selbst an der offiziellen Auslosung.
Fast grotesk wirkte Couriers Anblick dann auf der Trainerbank im Vergleich mit Severin Lüthi. Der Schweizer Coach feuerte seine Spieler in kurzen Hosen an – ein krasser Kontrast zum seriösen Erscheinungsbild des 41-jährigen US-Amerikaners. Auch wenn Couriers Auftritt im Anzug so gar nicht in den Rahmen einer Davis-Cup-Partie passte, so hatte sein Outfit durchaus Signalwirkung: «It's now business time», schien die Botschaft an die Spieler, auch wenn dies nicht seine Absicht war. «Das ist meine Uniform. Die Jungs haben ihre Uniform, ich habe meine», so der vierfache Grand-Slam-Sieger.
«Ohne Jim hätte ich nie im Leben gegen Federer gewonnen»
«Captain Courier», wie er von seinen Spielern angeredet wird, hatte seine Mannschaft perfekt auf die schwierigen Bedingungen in Freiburg eingestellt. Schwierig, weil der Ball auf Sand nicht einfach zu kontrollieren war und die Halle auf über 600 Meter über Meer der Filzkugel noch zusätzliche Sprungkraft verlieh. Als zweifacher French-Open-Gewinner übertrug er die Erfahrung auf seine Schützlinge, die ihm mehrmals dafür dankten. «Ohne Jim hätte ich nie im Leben gegen Federer gewonnen. Er lag mir die ganze Woche in den Ohren und sagte mir, was ich zu tun hatte. Jim hat einen grossartigen Job gemacht», sagte Isner, der gegen Federer den grössten Sieg seiner Karriere feierte.
Jim Courier waren die verbalen Streicheleinheiten von Isner unangenehm. «Ich werde hier gelobt, ohne einen Ball zu spielen. John hat den Match gewonnen, nicht ich», sagte Courier, der zu Beginn der Medienkonferenz Isner auf die Schulter klopfte. «Ich habe nie einen Spieler gesehen, der gegen Federer in dieser Art und Weise eine Partie zu Ende spielte.» Für Courier war entscheidend, wie er mit seinen Spielern während dem Match kommunizierte. So sei Mardy Fish wesentlich einfacher zu coachen als Isner. «Mardy hat viel Selbstvertrauen, John muss ich mehr betreuen. Er muss mehr aufgemuntert werden.» Courier erhielt auch nach dem entscheidenden Doppelsieg von Fish eine Lobpreisung, wieder lächelte er verlegen. Dabei stand für Courier bei seinen taktischen Überlegungen nur ein wesentlicher Trick im Vordergrund. «Es macht grosse Freude, den Jungs auf dem Platz zu helfen. Ich muss aber auch merken, wann ich die Klappe halten soll.»
( Tagesanzeiger.ch/Newsnet )
«Es macht grosse Freude, den Jungs zu helfen. Ich muss aber auch merken, wann ich die Klappe halten soll»: Jim Courier über seine Rolle im Davis-Cup-Team. (Video: Sebastian Rieder)
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