«In mir wohnen zwei Personen»

Von Alexander Kühn . Aktualisiert am 03.09.2010
Die frühere Weltranglisten-Leaderin Ana Ivanovic hat am US Open die Freude am Tennis wiederentdeckt - und sie glaubt, dass sie ihre Psyche nun besser im Griff hat.
Ana Ivanovic schlägt wieder ihre Gegnerinnen und nicht mehr sich selbst. Bild: Reuters

Als Ana Ivanovic im Frühling am Turnier von Stuttgart nach ihrer Erstrunden-Niederlage gegen die Polin Agnieszka Radwanska mit Tränen in den Augen vor den Fotografen in die Kabine flüchtete, war selbst ihr Trainer Heinz Günthardt ein wenig ratlos. «Ana muss diesen Kreislauf der Niederlagen durchbrechen», sagte der Schweizer damals. Das scheint der Wahl-Baslerin Ivanovic in Flushing Meadows endlich zu gelingen. Beim 6:3, 6:0 über die als Nummer 21 gesetzte Chinesin Jie Zheng trumpfte sie jedenfalls auf, als habe es die finsteren Momente nach ihrem French-Open-Titel vor zwei Jahren nie gegeben.

«Ich habe das Gefühl, dass ich wieder wie eine Top-10-Spielerin spiele und ich besitze das Selbstvertrauen, um diese Leute zu schlagen», erklärte Ivanovic. Die 21-Jährige glaubt, dass sie nun die Früchte ihrer harten Arbeit mit Günthardt und ihrer Fitnesstrainerin Marija Lojanica ernten kann. Sie wirkt nicht nur drahtiger denn je, sondern ist auch schneller und ausdauernder geworden. Die kraftvolle Vorhand und die Schlagkombinationen, die ihr der frühere Steffi-Graf-Coach Günthardt eingeimpft hat, vervollständigen das eindrückliche Paket.

Die Kampfeslust verdrängt die Angst

Beim Turnier in Cincinnati scheiterte Ivanovic vor drei Wochen erst im Halbfinal - und nicht an einer Kontrahentin, sondern an einer Verletzung, die sie zur Aufgabe zwang. Zuvor hatte sie unter anderem die Weltranglistenelfte Viktoria Azarenka eliminiert. Am US Open trifft sie in der 3. Runde auf eine wesentlich weniger reputierte Gegnerin, die Französin Virginie Razzano. Danach würde gemäss der Setzliste ein Duell mit der belgischen Titelverteidigerin Kim Clijsters anstehen.

Gegen Clijsters wäre Ivanovic trotz ihres Aufwärtstrends nur Aussenseiterin - doch diese Situation behagt ihr. «In mir wohnen zwei Personen», erklärt sie. «Die eine ist erfolgshungrig, hat keine Angst und keine Erwartungen. Die zweite aber bekommt Probleme, wenn sie wieder Punkte zu verteidigen hat. Dass ich mit deren Stimme in meinem Kopf nun besser umgehen kann, ist wohl mein grösster Fortschritt.» Statt Zweifeln verspüre sie wieder Kampfeslust und das Gefühl, dass sie nichts zu verlieren habe.

( Tagesanzeiger.ch/Newsnet )

Erstellt: 03.09.2010, 18:28 Uhr

tr_fbConnectError

Weitere Artikel zum Thema

Weitere Artikel Sport