Wer trägt die Schweizer Fahne in Vancouver?

Von Florian A. Lehmann. Aktualisiert am 09.02.2010
Es ist ein speziell ehrenhafter Akt, die Fahne an der olympischen Eröffnungsfeier zu tragen. Aber welcher Schweizerin oder welchem Schweizer gebürt diese Ehre in Vancouver?
topelement Philipp Schoch führte die Schweizer Delegation an der Eröffnungsturnier in Turin an – mit Erfolg. Der Snowboarder aus dem Zürcher Oberland hatte sichtlich Spass an seinem Job. Mehr Bilder (9)
Wir erinnern uns gerne an 2006: Vor vier Jahren in Turin führte Snowboarder Philipp Schoch die Schweizer Delegation an der Eröffnungsfeier an. Der Fahnenträger aus dem Zürcher Oberland war von dieser Ehre so entzückt, dass er im olympischen Parallel-Riesenslalom den Triumph von 2002 in Salt Lake City wiederholte. 2008, an den Sommerspielen in Peking, trug ein gewisser Roger Federer die eidgenössische Landesfahne. Das weckte beim professionellen Racketschwinger unterschiedliche Gefühle auf dem Court: Im Einzel blieb der Favorit vorzeitig auf der Strecke, im Doppel schnappte er sich zusammen mit seinem Lausanner Copain Stan Wawrinka Gold.

Und wem gebührt die Ehre in Vancouver? Was fix ist: Federer kommt in Kanada nicht mehr zu diesem Privileg, denn Tennis zählt nicht zum Programm der Winterspiele. Also müssen andere Kandidatinnen und Kanditen her. Ralph Krueger, der abtretende Eishockey-Philosoph, kommt aus zwei Gründen nicht in Frage: Erstens zählt er zur Kaste von Funktionären und Trainern, und zweitens ist er deutsch-kanadischer Doppelbürger. Dass ein Ausländer die Schweizer Fahne während der Eröffnungsszeremonie hütet, käme in der Heimat nicht besonders gut an. Das Verhältnis zwischen Schweizern und Personen, die einen Pass mit dem Bundesadler besitzen, ist nach diversen Bodychecks aus dem Norden gegen helvetische Einrichtungen wie Bankgeheimnis und Steuerpraktika momentan leicht gestört.

Streit, Ammann, Cuche…

Also, welche Sportlerin oder Sportler darf jetzt am Samstagmorgen um 3 Uhr MEZ die rote Fahne mit dem weissen Kreuz tragen? Swiss Olympic ist am Rätseln und sieht sich auch mit logistischen Problemen konfrontiert. Mark Streit, der beste Schweizer Verteidiger auf Eis aller Zeiten, wäre im Mutterland des Eishockeys prädestiniert für diese Aufgabe. Aber der NHL-Profi trifft erst am Sonntag im olympischen Dorf ein. Natürlich kämen auch Simon Ammann und Didier Cuche in Frage. Aber beide stehen am Samstag in Whistler bereits auf der Piste respektive auf der Matte. Ausserdem ist der havarierte Daumen des Neuenburgers noch nicht so ausgeheilt, dass er stundenlang den lebendigen Fahnenmast spielen könnte.

Lara Gut wäre als Fahnenträgerin ideal gewesen, quasi als Zeichen, dass die Schweizer Jugend bei hohen Sportfunktionären hoch im Kurs steht. Aber der fröhliche Teenager aus dem Tessin musste für Olympia Forfait geben – ein herber Verlust für das Alpin-Team, in vielerlei Hinsicht. Auch Olympiasiegerin Tanja Frieden hatte Pech und musste die Olympiapläne aus Verletzungsgründen streichen.

…oder eine Stauffacherin?

Am Mittwoch will die Missionsleitung in Vancouver die Katze aus dem Sack lassen, wer dieses wichtige Amt an der Eröffnung übernehmen darf. Die «SonntagsZeitung» zählt Eiskunstläufer Stéphane Lambiel und die Curlerin Mirjam Ott zu den heissesten Kanidaten auf den Job. Zweifellos hätten der Walliser und der Skip aus Laax GR diese Ehrung auch verdient.

Tagesanzeiger.ch/Newsnetz glaubt aber an einen ganz speziellen Coup der Missionsleitung, die einen typischen helvetischen Kompromiss beinhaltet. Weil alle wichtigen politischen Ämter in der Schweiz von wackeren Stauffacherinnen besetzt sind, muss auch bei Olympia primär eine Fahnenträgerin her, um die Forschrittlichkeit der Eidgenossenschaft zu demonstrieren. Deshalb kommen Athletinnen wie die Skiakrobatin Evelyne Leu, die in Turin Gold holte, oder die Eiskunstläuferin Sarah Meier in Frage, die mit eisernem Willen ihre Olympiafahrkarte erkämpft hat.

Würde die Wahl auf Meier fallen, dann müssten auch die Olympioniken männlichen Geschlechts nicht in die Röhre gucken. Ein starker Schweizer Bobfahrer würde die zierliche Eisprinzessin von der schweren Last während der Zeremonie teilweise befreien. Schliesslich will Swiss Olympic auch beweisen, wie gut dass die Frauen und Männer im Schweizer Land harmonieren.

( Tagesanzeiger.ch/Newsnetz )

Erstellt: 09.02.2010, 16:00 Uhr

Stichworte

Dossiers

Interaktiv

Weitere Artikel Sport