Frustrierte CS-Kunden: «Grosser Teil der Pensionskasse weg»

Von Claudio Habicht . Aktualisiert am 24.09.2008
Immer mehr Credit-Suisse-Kunden klagen, die Grossbank habe sie zum Kauf von Lehman-Produkten gedrängt. Die CS lehnt jede Verantwortung ab.
Vielen CS-Kunden ging der Laden runter: Die Pleite von Lehman Brothers bracht sie um ihr Geld. Bild: KEYSTONE/AP

Die Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers hat viele CS-Kleinanleger um ihr ganzes Erspartes gebracht. Doch die Grossbank macht weiter auf stur: «Das Emittentenrisiko bei strukturierten Produkten trägt der Kunde», sagt Sprecher Jan Vonder Mühll auf Anfrage von Tagesanzeiger.ch/Newsnet. Credit Suisse werde die Geschädigten aber bei der Geltendmachung ihrer Ansprüche im Nachlass von Lehman unterstützen und mit ihnen nach Lösungen suchen.

Bislang ist noch nichts geschehen: Bei Tagesanzeiger.ch/Newsnet melden sich täglich mehr Leute, die sich über die Credit Suisse beschweren. Sie seien von den Beratern regelrecht zum Kauf von Lehman-Produkten gedrängt worden. Dabei wurde ihnen suggeriert, das investierte Kapital sei voll geschützt – auf die Risiken wies die CS nur im Kleingedruckten hin. Die meisten Geschädigten sind denn auch Laien in Finanzfragen: Sie kamen nicht auf die Idee, an den Ratschlägen ihrer Berater zu zweifeln. Viele verloren fünf- bis sechsstellige Beträge. Dass nicht die CS als Vermarkterin, sondern Lehman als Emittentin des Produkts hafte, sei nie Thema gewesen. Hier die Aussagen einiger Betroffenen:

C. R.: «Mein Berater sagte, es handle sich um eine Anlage mit 100 Prozent Kapitalschutz, bei dem man zwar nicht viel Gewinn mache könne, dafür aber garantiert keine Verluste hinnehmen müsse. So ein Vorgehen ist in meinen Augen schlicht stümperhaft und unprofessionell.»

B. K.: «Meine Eltern sind einfache Büezer, die jeden Franken zweimal umdrehen mussten, um die dreiköpfige Familie ernähren zu können. Nun ist vermutlich ein grosser Teil der Pensionskasse weg. Einfach so.

D. B.: «Das kann doch nicht sein: Da wird ein Produkt unter Kapitalschutz und Sicherheit angepriesen. Geht aber etwas schief, kann sich die Bank einfach aus der Verantwortung ziehen – womöglich mit Verweis auf das Kleingedruckte.»

L. M.: «Ich fühle mich hintergangen und betrogen.»

W. B.: «Klar, nach dem Buchstaben liegt die Verantwortung bei mir. Aber die Berater haben ihren Kunden gegenüber auch eine moralische Verpflichtung, da bei den Gesprächen der 100-prozentige Kapitalschutz immer hervorgehoben wurde. Der Abschnitt «Risiko» im Informationsprospekt enthält keinen expliziten Hinweis auf einen möglichen Totalverlust, sollte der Emittent Bankrott anmelden.»

M. B.: «Ich kann es mir nicht leisten, dieses Geld zu verlieren. Es bildet einen grossen Teil meiner Altervorsorge. Nun will die CS das Geld nicht zurückzahlen.»

P. D.: «Ich bin von der Credit Suisse extrem enttäuscht: Die Bank hielt es zu keinem Zeitpunkt für nötig, ihre Kunden über mögliche Probleme bei Lehman Brothers aufzuklären.»

B. S.: «Das ist doch Betrug am Kunden. Sind denn Berater Kriminelle?»

O. T.: «Ich bin ein vorsichtiger Kunde und habe nie an der Börse spekuliert. Ich habe dem Kauf zugestimmt, weil mir die Kundenberaterin versichert hat, dass dieser Fonds eine garantierte Kapitalrückzahlung beinhaltet.»

S. C.: «Ich bin Student und habe mir über einen Nebenjob etwas Geld für den Abschluss meinen Studiums gespart. Nun musste ich feststellen, dass ich mein Geld, das ich während mehreren Jahren gespart habe, wohl nicht wiedersehen werde.»

H. Z.: «Ohne der Zusicherung «kapitalgeschützt» hätte ich dieser Anlage nie zugestimmt.»

( Tagesanzeiger.ch/Newsnet )

Erstellt: 24.09.2008, 10:40 Uhr

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