Behält den Finger auf der Entwicklung des Frankens: Der frisch gebackene SNB-Präsident Philipp Hildebrand. Bild: KEYSTONE/AP
Gegenüber dem Euro hat sich der Schweizer Franken innerhalb eines Monats deutlich verteuert. Noch Mitte Dezember hat man für den Euro den Devisenmärkten mehr als 1,51 Franken bezahlt, jetzt sind es nur noch 1,48. Vom März bis zum Dezember ist der Eurokurs nie unter 1,50 Franken gefallen.
Für beide Entwicklungen ist die Politik der Schweizerischen Nationalbank SNB (SNBN 10951.96%) verantwortlich, der seit Anfang Jahr Philipp Hildebrand vorsteht (siehe Box). Im vergangenen März hat die Zentralbank die Doktrin verkündet, dass sie die Aufwertung des Schweizer Frankens aktiv verhindern wolle und deshalb Devisenkäufe tätigen werde. Letzteres hat sie dann im grossen Umfang auch getan. An ihr lag es, dass bis vor Kurzem der Franken keine weitere Aufwertung erfahren hat. Der SNB ging es weniger um eine Hilfe an die gebeutelte Exportindustrie als vielmehr um das Verhindern einer Deflation – ein Zustand, wenn Preise, Löhne und Produktion einbrechen. Ein teurer Franken hätte über tiefere Importpreise diese Gefahr weiter verstärkt.
Das zentrale Wort «übermässig»
Obwohl die Notenbank die Deflationsgefahr nicht für vollends gebannt hält, geht sie von einer wieder leicht steigenden Teuerung aus (0,5 Prozent im Jahr 2009 und 0,9 Prozent 2011). Ein weiterer Auftrieb des Frankens ist damit weniger gefährlich. In der gewohnt kryptischen Wortwahl der Zentralbanken hat sie den Märkten Mitte Dezember zu verstehen gegeben, dass sie eine weitere Aufwertung des Frankens tolerieren würde. Die SNB schrieb neu, dass sie einer «übermässigen» Aufwertung entschieden entgegenwirken wolle. Im März hat diese Betonung gefehlt. Die Aufwertung des Frankens folgte auf dem Fuss.
Doch der Erfolg der neuen Politik könnte jetzt für die SNB zum Problem werden. Jetzt besteht die Gefahr, dass der Aufwärtstrend des Frankens zu weit gehen könnte. Die Währung hat sich in den letzten Wochen nicht nur gegenüber dem Euro, sondern auch gegenüber dem Dollar aufgewertet. «An den Märkten fehlt momentan die Orientierung, bis zu welchem Wechselkurs die SNB eine Aufwertung toleriert», sagt Ursina Kubli, Währungsstrategin der Bank Sarasin. Die Notenbank teilt solche Schmerzgrenzen nie mit, doch an ihrem bisherigen Verhalten konnte man auf dem Märkten immerhin erkennen, was sie noch toleriert. Bis zum Dezember galt daher die Grenze von 1,50 Franken pro Euro als undurchlässig.
Dürre Verbalintervention mit Wirkung
Am Montag hat die Zentralbank erneut interveniert. Allerdings nur verbal mit zwei dürren Sätzen: Die SNB werde weiterhin jede übertriebene Aufwertung verhindern, lautete der erste. Im zweiten machte die Notenbank klar, dass sie keinen spezifischen Währungskurs anpeile aber alle Entwicklungen genau beobachte. Wie Ursina Kubli beobachtet, hat die Zentralbank ihren Worten bisher keine Taten folgen lassen. Das heisst, sie hat bisher nicht mit grösseren Eurokäufen interveniert. Die SNB kommuniziert in der Regel ihre Devisenkäufe nicht – im letzten März hat sie hier eine Ausnahme gemacht – doch die Marktaktivitäten an den Devisenmärkten und auch die Statistiken zu den Währungsreserven geben Hinweise darauf.
Trotzdem hält die Währungsstrategin die Botschaft der SNB für wertvoll. «Damit hat die Zentralbank klargemacht, dass sie keine weitere Aufwertung in diesem Stil akzeptieren wird». Ursina Kubli ist davon überzeugt, dass die Nationalbank notfalls auch auf den Märkten intervenieren wird. Die Kursentwicklung seit der Verbalintervention scheint das zu bestätigen. Der Franken hat sich seit dem Montag sogar leicht abgeschwächt. Das könnte bedeuten, dass die Märkte als neue Grenze nach unten einen Kurs von 1,48 Euro ausgemacht haben.
( Tagesanzeiger.ch/Newsnet )