Aktuell sind Hypotheken für bloss 1 Prozent zu haben: Baustelle in Flerden GR. Bild: KEYSTONE/AP
Die Hypozinsen werden sich von ihren Tiefständen nicht so bald entfernen. Das wird frühestens gegen Ende 2010 geschehen, wenn die Nationalbank gemäss den Erwartungen von Ökonomen den Leitzins (Libor) anhebt. Denn wenn die Banken für das Geld mehr bezahlen müssen, verlangen sie auch mehr von ihren Kunden.
Laut Lorenz Heim, Hypothekenexperte beim Vermögenszentrum (VZ) werden heute in der Schweiz die meisten Hypotheken über eine Laufzeit von 5 Jahren fix abgeschlossen. Der Zinssatz dafür liegt bei etwa 2,5 Prozent. Variable Hypotheken sind momentan prohibitiv teuer – sie kosten zwischen 2,5 und 3 Prozent. Laut Heim nimmt daher ihr Bestand laufend ab.
Die günstigste Variante ist kaum vertreten
2,5 Prozent für eine fünfjährige Fixhypothek ist historisch gesehen zwar günstig, doch die Hausbesitzer könnten noch bessere Abschlüsse erzielen: Indem sie eine weit kürzere Laufzeit wählen. Dafür bieten sich so genannte Geldmarkthypotheken an, die einen fixen Zins für drei Monate garantieren. Diese Frist geht darauf zurück, dass der Zinssatz sich hier am Dreimonats-Libor orientiert, dem Leitzins der Nationalbank. Aktuell liegt der aufs Jahr berechnete Geldmarkt-Hypozins je nach Bank bei bloss 1 bis 1,25 Prozent. Dieser Hypothekarvertrag wird in der Regel je nach Bank auf drei bis fünf Jahre abgeschlossen.
Trotz den sehr attraktiven Konditionen – der Zinssatz ist nur halb so hoch wie jener der Fünfjahreshypothek – sind Geldmarkthypotheken allerdings kaum verbreitet. Laut Lorenz Heim machen sie weniger als 10 Prozent am ganzen Hypothekenmarkt aus. Der Experte des Vermögenszentrums erklärt sich das damit, dass die Banken viel lieber die fünfjährigen Hypotheken verkaufen, da sie damit eine weit höhere Rendite erwirtschaften. Der Zinssatz für Spargelder, den die Banken bezahlen, beläuft sich zumeist auf 0,5 Prozent.
Kaufen ist günstiger als Mieten
Keine Kompromisse gehen die Banken bei der Belehnung ein. Extrem tiefe Zinsen und Belehnungen von bis zu 100 Prozent des Immobilienwertes haben in den USA die Immobilienpreise in stratosphärische Höhen gejagt. Das Platzen dieser Preisblase lag am Ursprung der aktuellen Weltwirtschaftskrise. Auch die Schweiz hat zu Beginn der 90er Jahre schmerzliche Erfahrungen mit einer geplatzten Immobilienblase gemacht, die auf eine unverantwortliche Belehnungspraxis der Banken zurückging. «Heute liegt die Belehnung der Hypotheken bei den meisten Immobilien bei unter 65 Prozent», sagt Lorenz Heim, «maximal finden sich Belehnungen von 80 Prozent».
Die tiefen Sätze haben laut Lorenz Heim zur Folge, dass es sich in vielen Fällen eher lohnt, eine Wohnung oder ein Haus zu kaufen, statt zu mieten. Er zeigt das anhand einer Modellrechnung auf. Für eine Wohnung mit einem Kaufpreis von 900'000 Franken bezahlt man bei einer Belehnung zu 80 Prozent und einem Satz von 1 Prozent (bei einer Geldmarkthypothek) 7200 Franken pro Jahr, das sind 600 Franken pro Monat. Die Miete für eine Wohnung mit diesem Wert kann sich dagegen gut auf 4000 Franken pro Monat belaufen. Diese Rechnung bezieht sich auf die aktuellen Sätze, langfristig muss wieder mit höheren Zinskosten gerechnet werden.
( Tagesanzeiger.ch/Newsnet )