Wie sicher sind unsere Ersparnisse?

Von Andrea Müller . Aktualisiert am 30.09.2008
Immer mehr Schweizer machen sich Sorgen, ob ihr Geld auf ihrer Bank noch sicher ist. Kein Problem, sagen die Banken.

«Kein Grund zur Panik», wiederholen alle Bankenvertreter und Finanzexperten fast beschwörend. Denn nichts wäre schlimmer, als wenn eben diese Panik ausbrechen würde und die Schweizerinnen und Schweizer gleich massenhaft die Bankschalter stürmen würden, um ihr Geld abzuheben, wie das letztmals vor einem Jahr in England bei der Pleite der Bank Northern Rock geschehen ist.

Tatsächlich gibt es objektiv heute keinen Grund zur Panik: Die Schweizer Banken sind gerade im Vergleich zu ausländischen Banken sehr gut kapitalisiert, das heisst, sie verfügen über viele Eigenmittel. Und mit der Eidgenössischen Bankenkommission verfügt die Schweiz auch über eine unabhängige Kontrollbehörde.

Gesetzlicher Einlegerschutz

Sollte doch eine Schweizer Bank Konkurs gehen, sind die Sparguthaben der Kunden bis zu einem gewissen Grad von Gesetzes wegen geschützt. Gemäss dem Schweizer Konkursrecht sind «Einlagen bei Banken und Effektenhändlern bis zum Betrag von 30'000 Franken pro Person in der zweiten Klasse privilegiert». Kleingeld bis 5000 Franken wird sofort ausbezahlt, bis 30'000 Franken innerhalb von drei Monaten nach dem Konkurs der Bank.

«Es besteht keine Gefahr für Einlagen», die Aussage des Sprechers der Schweizerischen Bankiervereinigung Thomas Sutter gegenüber Tagesanzeiger.ch/Newsnet ist an und für sich glaubwürdig.

Vertrauenskrise

Die Glaubwürdigkeit der Banken ist zur Zeit allerdings arg angeschlagen. „Das ist eine Vertrauenskrise“, bestätigt auch Thomas Sutter von der Bankiervereinigung. Und Willi Gerster, Konzern-Präsident der Basler Kantonalbank hat Verständnis für die zunehmende Verunsicherung. Es gebe ja auch Grund dazu, wenn täglich neue Bankenpleiten bekannt würden. Die Schweizerinnen und Schweizer müssten aber nicht wirklich Angst um ihr Geld haben. Es lohne sich allerdings, die Bank sorgfältig auszuwählen.

Martin Scherrer, der Bankenexperte des Vergleichsdienstes Comparis sagt, was der oberste Chef der Kantonalbank diskret nicht offen aussprechen will: «Wer sein Geld sicher anlegen will, entscheidet sich zum Beispiel für eine Kantonalbank mit Staatsgarantie.»

Kantonalbanken profitieren von der Finanzkrise

Tatsächlich ist den Kantonalbanken in den letzten Monaten und Wochen massiv neues Geld zugeflossen. Allein bei der Basler Kantonalbank waren es im ersten Halbjahr 2008 über eine Milliarde Franken. Immer mehr Schweizerinnen und Schweizer bringen ihr Erspartes zu den Kantonalbanken.

Den Grund für diesen zunehmenden Trend sehen die Kantonalbanken nicht nur in der Staatsgarantie für ihre Institute, sondern auch in ihrer traditionell vorsichtigen Anlagepolitik, die sich jetzt auszahle.

Kredite künftig schwieriger zu erhalten

Die Konjunkturforschungsstelle der ETH (KOF) prognostiziert für die nächsten Monate gar eine Rezession für die Schweiz. Dies hat nicht zuletzt auch Auswirkungen auf die Vergabe von Krediten an die Bank-Kunden. Insbesondere für kriselnde Unternehmen wird es schwieriger sein, neue Kredite zu erhalten. «Wir werden jeweils sehr genau prüfen müssen, ob ein Unternehmen genügend gerüstet ist, um die Krise zu überwinden», sagt BKB-Präsident Gerster gegenüber Tagesanzeiger.ch/Newsnet. Keine Probleme sieht er dagegen bei Krediten für Private. Die Kriterien für eine Kreditvergabe zum Beispiel für ein Einfamilienhaus blieben unverändert.

( Tagesanzeiger.ch/Newsnet )

Erstellt: 29.09.2008, 17:17 Uhr

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