Banken droht neues Fiasko

Aktualisiert am 16.03.2010
Die Banken haben die Krise gerade erst verdaut, da rollt aus den USA die nächste Welle an Belastungen auf sie zu: Abschreibungen auf gewerbliche Immobilienfinanzierungen und Kreditausfälle in Milliardenhöhe.
Die Wirtschaftskrise wirbelt den New Yorker Immobilienmarkt durcheinander: Investoren haben das legendäre Stadtviertel Stuyvesant Town aufgeben müssen, das sie 2006 für die Rekordsumme von 5,4 Milliarden Dollar gekauft hatten. Bild: Reuters

Mit den Bankkrediten im Rücken haben Investoren Gewerbeimmobilien in Boomzeiten zu überhöhten Preisen gekauft. In der Wirtschaftskrise ist nun die Abwärtsspirale in vollem Gange: Büros und Ladenflächen sind weniger gefragt, Objekte verlieren an Wert, Mieten sinken.

Viele Kredite sind «unter Wasser» - die Immobilie ist weniger wert als der Kreditbetrag. Das alles engt die Finanzspielräume der Immobilienbesitzer gerade zu einer Zeit ein, in der sie viele Kredite refinanzieren müssen. Das wiederum bringt die Gläubiger - die Banken - in die Bredouille.

«Wie ein Damoklesschwert über der Branche»

«Das Thema gewerbliche Immobilienfinanzierungen hängt wie ein Damoklesschwert über der Branche», sagt Unicredit-Analyst Markus Ernst. «Wenn es da zu weiteren Ausfällen kommt, wird das die Bilanzen der europäischen Banken zusätzlich schwächen.» Konrad Becker von Merck Finck warnt: «Die Belastungen aus den gewerblichen Immobilienfinanzierungen könnten bei einzelnen Banken mit denen aus der Subprime-Krise verglichen werden.»

Einer Unicredit-Studie zufolge haben Europas Banken insgesamt 1,5 Billionen Dollar solcher Kredite in den Büchern, viel davon im US- Markt. Wie viel wirklich gefährdet ist, lässt sich nur erahnen. In einem Bericht an den US-Kongress hiess es unlängst, den Banken weltweit drohten Verluste von bis zu 300 Milliarden Dollar.

Problem nur ausgesessen

In diesem und im nächsten Jahr stehen viele Kreditverlängerungen an. Problematisch ist, dass Kredite für Gewerbeimmobilien oft erst am Ende der Laufzeit auf einen Schlag getilgt oder verlängert werden. Damit sitzen die Banken auf einem Sprengsatz. Einige Gläubiger lassen sich auf Stillhalteabkommen ein, in der Hoffnung auf eine Markterholung. Danach sieht es in den USA im Moment aber nicht aus.

Das Problem wird also nur ausgesessen. Ganz unübersichtlich wird es selbst für Experten, wenn Banken ihr Engagement am Kapitalmarkt platzieren, wie es etwa die Deutsche Bank mit CMBS gemacht hat - Schuldpapieren, die mit Gewerbeimmobilien besichert sind. Das erinnert frappierend an den Beginn der Hypothekenkrise auf dem US- Eigenheimmarkt 2007.

(bru/sda/Kathrin Schich)

Erstellt: 16.03.2010, 22:37 Uhr

Stichworte

Weitere Artikel Wirtschaft