Der Leitzins werde noch «eine längere Zeit» ausserordentlich niedrig bleiben, kündigte die Federal Reserve nach einer Sitzung ihres Offenmarktausschusses (FOMC) in Washington an. Die Notenbanker behielten damit trotz einer Gegenstimme aus den eigenen Reihen die in der Krise geprägte Formel bei, die den Finanzmärkten für eine Reihe von Monaten Ruhe an der Zinsfront signalisiert.
Die Banken erhalten von der Fed weiterhin frisches Geld praktisch zum Nulltarif: Die Notenbank beliess das Zins-Band bei null bis 0,25 Prozent. Experten gehen davon aus, dass die Zentralbanker erst bei einer stabilen Belebung der Wirtschaft an der Zinsschraube drehen werden - frühestens im zweiten Halbjahr.
Nach dem Zinsentscheid legte der Euro zu. Die Gemeinschaftswährung verteuerte sich auf 1,3776 Dollar und erreichte damit ihren bisherigen Tageshöchststand. Der Entscheid hat auch den US-Börsen einen Schub verliehen. «Genau darauf haben die Märkte gehofft», sagte Burt White von LPL Financial.
Zudem wurde die Bestätigung der Bonitätsnote für Griechenland positiv aufgenommen. Für das schuldengeplagte Land behielt die Ratingagentur S&P die Bewertung «BBB&/A-2» bei.
Der Dow-Jones-Index der Standardwerte pendelte im Verlauf zwischen einem Hoch von 10.693 und einem Tief von 10.621 Punkten. Er schloss 0,4 Prozent höher bei 10.685 Punkten.
Der breiter gefasste S&P-500-Index stieg um 0,8 Prozent auf 1159 Zähler. Die Technologiebörse Nasdaq gewann 0,7 Prozent auf 2378 Stellen.
Anhaltender Stellenabbau
Für Optimismus unter Investoren sorgte vor allem die Feststellung der US-Notenbanker um Fed-Chef Ben Bernanke, dass sich der Arbeitsmarkt stabilisiert hat und die Firmen verstärkt in Ausrüstungsgüter und Software investierten.
Die US-Konjunktur hatte sich zwar Ende vorigen Jahres kräftig erholt, doch haben sich die dunklen Wolken am Arbeitsmarkt noch nicht verzogen.
Mit einer Arbeitslosenquote von 9,7 Prozent und anhaltendem Stellenabbau scheint daher Vorsicht für die Geldpolitiker geboten, die per Mandat für Preisstabilität und Vollbeschäftigung sorgen sollen.
Problematisch bleibt aus Sicht der Fed auch der noch immer am Boden liegende Immobiliensektor, von dem die Finanzkrise ausging. Eis, Schnee und Winterstürme haben die Lage am US-Wohnungsmarkt auch im Februar eingetrübt. Die Zahl der Wohnbaubeginne sank aufs Jahr hochgerechnet um 5,9 Prozent.
Notwendige Bereinigung
Die Fed muss nach ihren massiven Liquiditätsspritzen und dem Ankauf von Wertpapieren im grossen Stil zudem ihre Bilanz allmählich wieder bereinigen, wenn sie nicht auf mittlere Sicht einen Inflationsschub riskieren will.
Sie teilte nun mit, dass Ende März in der Finanzkrise aufgelegte Ankaufprogramme im Volumen von 1,4 Billionen Dollar wie geplant auslaufen werden.
Dennoch hält sie sich eine Hintertür für weitere Stützungsmassnahmen offen: «Der Offenmarktausschuss wird die Konjunkturentwicklung und die Finanzmärkte weiter beobachten und wenn nötig seine geldpolitischen Instrumente einsetzen, um die wirtschaftliche Erholung sowie die Preisstabilität zu fördern.»
Experten erwarten, dass die Fed zunächst die Marktreaktionen auf das Auslaufen ihrer Ankaufprogramme Ende März abwarten wird, bevor sie ihre Niedrigzins-Formel abwandelt.
(bru/sda)