In der Schweiz stagnieren die Arbeitskosten seit zwei Jahren

Aktualisiert am 15.02.2012
Arbeitskosten sind ein wichtiger Indikator für die Wirtschaftsattraktivität eines Landes. In der Schweiz bewegen sie sich seit zwei Jahren auf demselben Niveau. In einzelnen Branchen sind sie gar rückläufig.
Im Gastgewerbe sind die Arbeitskosten am tiefsten: Serviceangestellter im Landgasthof Au.

Die durchschnittlichen Arbeitskosten pro Stunde sind in der Schweiz in den letzten Jahren stagniert. Laut den aktuellen Schätzungen des Bundesamts für Statistik (BFS) beliefen sie sich 2010 auf 56 Franken pro Stunde.

Die Kosten, die für die Beschäftigung von Arbeitskräften anfallen, lagen zwei Jahre zuvor noch bei durchschnittlich 56.30 Franken pro Arbeitsstunde. Nach Auskunft des BFS erklärt sich der leichte Rückgang mit der geringeren Anzahl von Feiertagen im Jahr 2010 (im Schnitt 5) als im Jahr 2008 (im Schnitt 10).

Die Arbeitskosten setzen sich aus Löhnen und Gehältern (83,7 Prozent), Sozialbeiträgen der Arbeitgeber (15 Prozent) und weiteren Kosten, insbesondere für berufliche Bildung und Personalrekrutierung (1,3 Prozent) zusammen. Sie stellen einen grossen Anteil der Produktionskosten für Güter und Dienstleistungen dar.

Grosse Unterschiede im Dienstleistungssektor

Im Dienstleistungssektor sind die Unterschiede zwischen den Wirtschaftszweigen am deutlichsten: Die höchsten Kosten (84.50 Franken pro Stunde) gab es bei den Finanz- und Versicherungsdienstleistungen, die tiefsten im Bereich Gastgewerbe/ Beherbergung und Gastronomie (34.40 Franken).

Bei den Wirtschaftszweigen des sekundären Sektors sind die Unterschiede weniger ausgeprägt. Hier liegen die Kosten pro Arbeitsstunde zwischen 65.20 Franken in der Energieversorgung und 49.10 Franken im Baugewerbe.

Im Allgemeinen sind die Arbeitskosten in kleinen Unternehmen (mit weniger als 10 Beschäftigten) niedriger als in grösseren. Lediglich in wenigen Branchen, darunter den Finanz- und Versicherungsdienstleistungen, sind die Kosten für grosse Unternehmen etwas tiefer.

Während im privaten Sektor die durchschnittlichen Kosten pro Arbeitsstunde von 2008 bis 2010 um 0,7 Prozent auf 54.60 Franken im Jahr 2010 zurückgingen, ist in anderen Wirtschaftszweigen ein Anstieg zu verzeichnen. Insbesondere in den Branchen Kunst, Unterhaltung und Erholung sowie Verkehr und Lagerei wurden Zunahmen in der Grössenordnung von 1,3 bis 3,3 Prozent festgestellt.

Die Schweiz traditionell an der Spitze

Die Arbeitskosten sind eines der wichtigsten Kriterien zur Einschätzung der Attraktivität der verschiedenen nationalen Wirtschaftsstandorte. Die Schweiz liegt mit Kosten von 41.05 Euro pro Arbeitsstunde, teilweise durch die Frankenstärke bedingt (Euro-Kurs 2010: 1.38 Franken), an der Spitze der Rangliste der Arbeitskosten.

In den «alten» 15 EU-Staaten liegen die stündlichen Arbeitskosten in Unternehmen mit zehn oder mehr Angestellten zwischen 12.15 Euro in Portugal und 37.70 Euro in Belgien. In den «neuen» 12 EU Staaten in Ost- und Südosteuropa liegen die durchschnittlichen Arbeitskosten pro Stunde nur in Slowenien (14 Euro) über 10 Euro.

Anders sieht die Lage aus, wenn man die Kaufkraftunterschiede zwischen den einzelnen Ländern mit berücksichtigt. Bei den «Arbeitskosten pro Stunde in Kaufkraftstandards» liegt die Schweiz etwa im Mittelfeld (27,8 KKS für Betriebe mit über 10 Mitarbeitenden). In Deutschland beträgt dieser Wert 28 KKS, in Frankreich bei 29,6 KKS. Belgien und Schweden liegen bei über 30 KKS.

(mrs/sda)

Erstellt: 14.02.2012, 11:05 Uhr

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