Am Rande des diesjährigen Internationalen Alpensymposiums in Interlaken konnte Tagesanzeiger.ch/Newsnet mit Marc Faber ein ausführliches Gespräch führen. Dabei wird er seinem Ruf als «Dr. Doom» gerecht. Pessimistisch ist er vor allem für die mittelfristige Zukunft der Weltwirtschaft. Für das laufende Jahr hält er immerhin ein weiteres Wachstum für möglich, wenn dieses auch unregelmässig sein werde und noch immer getrieben durch die staatlichen Stützungsmassnahmen.
Das Verhalten der Regierungen bereitet ihm am meisten Sorgen. Vor allem vor den Konsequenzen der gigantischen Verschuldung westlicher Länder warnt er. Selbst die Schweiz nimmt er hier nicht aus. In fünf bis zehn Jahren hält er einen Staatsbankrott etwa in den USA für wahrscheinlich.
Vernichtende Kritik an der US-Regierung
Die Politiker dieses Landes kommen bei ihm ohnehin sehr schlecht weg: Den Verantwortlichen der Geld- und Finanzpolitik wirft er vor, mit billigem Geld eine Inflation zu schüren, um die Aktienmärkte zu stützen – mit verheerenden Konsequenzen für die wirtschaftliche Entwicklung dieses Landes und der Weltwirtschaft. Konsequenterweise sagt er deshalb sowohl den Börsen wie auch dem Goldpreis eine weiterhin glänzende Zukunft voraus. Im angelaufenen Jahr würden sich allerdings die Kurse nicht mehr derart nach oben entwickeln, wie 2009 und selbst der Goldpreis könnte vorerst weiter nach unten korrigieren.
Wenn er über das System der Geldschöpfung spricht, wird er geradezu philosophisch. Und er kommt zu einem vernichtenden Urteil: Notenbanken hält er für eine katastrophale Erfindung: So etwas wichtiges wie Geld dürfe man nicht allein ihnen überlassen. Ihre Macht sei zu gross und sie werde missbraucht.
Asien löst die alte Welt ab
Optimistisch ist Dr. Doom für Asien – der Schweizer hat seinen Wohnsitz in Hong Kong. Von den Schwellenländern gehe künftig die Dynamik aus. Auch langfristig würden sie an wirtschaftlicher und möglicherweise sogar militärischer Macht auf Kosten des Westens gewinnen. Hier hat er besonders China im Auge. Zwischen diesem Land und der USA könnten sich laut Faber auch die strategischen Differenzen weiter verschärfen.
( Tagesanzeiger.ch/Newsnet )