Berlusconis Schweizer Hausbank

Von David Vonplon . Aktualisiert am 17.11.2009
Auf der Bank Arner soll Berlusconi 90 Millionen Franken deponiert haben. Die italienische Justiz geht gegen das Finanzinstitut wegen Verdacht auf Geldwäscherei vor. Pikant: Präsidiert wird die Bank seit kurzem von Ebner-Weggefährte Kurt Schiltknecht.
«Der Panzerschrank Berlusconis»: Der italienische Premier und Medienmogul vertraut sein Vermögen der Tessiner Bank Arner an. Bild: KEYSTONE/AP

Die Familie Berlusconi vertraut ihr Geld einer Tessiner Privatbank an: Der Clan hat mehr als 90 Millionen Franken bei der Mailänder Niederlassung der Arner Bank in Lugano deponiert. Dies geht aus einer Reportage des italienischen Fernsehsenders RAI hervor, die am Wochenende ausgestrahlt wurde. Gegen das Tessiner Institut läuft in Italien eine Untersuchung wegen Verdachts auf Geldwäscherei. Aus diesem Grund kontrolliert die italienische Nationalbank die Geschäfte der Filiale.

«Panzerschrank Berlusconis»

Das Schweizer Finanzinstitut war in der Vergangenheit in einige Skandale verwickelt und wurde in der italienischen Presse auch schon als «Silvio-Bank» oder als «Panzerschrank Berlusconis» betitelt. So nahm die italienische Polizei im Mai 2008 Nicola Bravetti, damals einer der Chefs und Miteigentümer der Bank, in Italien fest und setzte ihn unter Hausarrest. Die Justiz warf ihm vor, für einen sizilianischen Bauunternehmer, der Kontakte zur Mafia haben soll, 13 Millionen Euro auf die Bahamas transferiert zu haben. Bravetti trat daraufhin als Bankdirektor zurück, wurde vor Gericht aber freigesprochen.

Gegründet wurde die Bank Arner 1994 von Paolo del Bue. Er soll Berlusconi nahe stehen, wie Untersuchungen der italienischen Justiz gegen dessen Medienkonzern Fininvest ergeben haben. Auch dabei soll die Arner Bank eine Rolle gespielt haben - wie auch beim Transfer von Bestechungsgeldern. Bislang konnten die Anschuldigungen jedoch nicht erhärtet werden: Sie haben zu keiner einzigen Verurteilung geführt.

Berlusconi wird unter anderem verdächtigt, amerikanische Filmrechte zu teuer eingekauft und die Gewinne vor den Aktionären seiner Firmen und dem Fiskus versteckt zu haben. Dabei soll ihm del Bue als Helfer zur Seite gestanden haben. Del Bue trat zwar 2005 vom operativen Geschäft zurück. Der Geschäftsbericht 2008 führt ihn und seine Familie im Geschäftsbericht jedoch immer noch als Teilhaber mit Stimmrecht auf.

Gegen Berlusconi und del Bue sowie andere Mediaset-Vertreter soll derzeit ein neues Verfahren angestrengt werden. Mögliche Anklagepunkte sind laut der Zeitung «Repubblica» Unterschlagung und Steuerbetrug.

Kurt Schiltknechts neuer VR-Präsident

Pikant: Präsidiert wird die Bank seit Anfang November von Kurt Schiltknecht, Ökonomie-Professor, «Weltwoche»-Kolumnist und über Jahre enger Vertrauter des Finanziers Martin Ebner. Ebenfalls neu im Verwaltungsrat sitzen Roland Müller-Ineichen, früher KPMG-Kadermann sowie Heinz Roth, ehemals Chef des Private Banking Schweiz bei der Credit Suisse.

Unklar sind die Hintergründe der Stabübergabe an der Spitze der Bank. Wessen Interessen verfolgen die Deutschschweizer Geschäftsleute? Könnte es sein, dass Schildknecht im Auftrag Ebners handelt, dem laut «Blick» Expansionspläne ins Tessin nachgesagt werden? Keiner der drei neuen Verwaltungsräte war am Montag bereit, gegenüber Tagesanzeiger.ch/Newsnet Stellung zu nehmen.

Wahrscheinlich ist, dass Schildknecht und Co. mit der Aufarbeitung der Untersuchungen wegen Geldwäscherei-Verdachts betraut wurden, wie das Finanzportal «Finews.ch» vermutet. Kenner der Tessiner Bankenbranche erklärten, dass die Bank mit dem neuen Verwaltungsrat einen Schlussstrich unter die früheren Skandale setzen und sich angesichts der zermürbenden Anschuldigungen neu ausrichten wolle.

Arner: Anschuldigungen gehören ins Reich der Fantasie

Die Arner Bank bezeichnet die Darstellung der RAI am Montag in einem Communiqué als «ungenau und fragmentarisch» und tut sie ins Reich der Fantasie ab. Behauptungen, dass Berlusconi an der Bank beteiligt sei oder mit ihr in enger Verbindung stehe, würden jeder Grundlage entbehren, wie man auch der Bilanz der Schweizer Muttergesellschaft entnehmen könne. Die Arner Bank und ihre Tochter-Gesellschaften hätten in ihrem 25-jährigen Bestehen stets die Gesetze respektiert.

Laut dem TV-Beitrag gibt es keine Hinweise darauf, dass die Berlusconi-Familie ihre Millionen in die Schweiz transferieren und damit vor dem Fiskus verstecken wollte. Dennoch dürften die jüngsten Enthüllungen den italienischen Premier weiter unter Druck setzen - und auch verhindern, dass die Bank ihre unrühmliche Vergangenheit so schnell hinter sich lassen kann.

( Tagesanzeiger.ch/Newsnet )

Erstellt: 16.11.2009, 11:46 Uhr

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