Der Jet für Leute mit Flugangst

Von Walter Jäggi . Aktualisiert am 10.11.2009
Im österreichischen Schnellzug Railjet gibt es eine Extraklasse mit Sitzen und Service wie im Flugzeug. Ab dem 13. Dezember verkehrt der Drei-Klassen-Zug auch von Zürich nach Salzburg und Wien.

Mit dem Eurocity Transalpin kommt man heute in 8 Stunden 44 Minuten von Zürich nach Wien. Beim Fahrplanwechsel am 13. Dezember werden die 44 Minuten gekappt, genau 8 Stunden werden dann die Limmat- und die Donaumetropole auseinanderliegen. Das grössere Tempo ist das eine, neu ist auch der Zug: Zunächst einmal täglich, ab Juni 2010 zweimal, verkehrt eine Komposition des Typs Railjet. Diese Züge, von denen die Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) 17 besitzen und laufend weitere bekommen, haben statt nur einer zweiten und einer ersten Klasse noch eine Überklasse: Economy, First und Premium sind die Bezeichnungen.

In der Premium-Klasse geniessen die Reisenden viel Platz (nur zwei Sitze auf der ganzen Wagenbreite), den Komfort eines bis zur Liegeposition ausziehbaren Polsters, durch Trennwände gesicherte Ruhe und die Bedienung durch eine nur für sie zuständige Begleitperson. Lesestoff, Speisen und Getränke sind im Preis inbegriffen (Erstklassticket plus Premium-Zuschlag von 40 Franken pro Weg).

Richtige Menüs in der ersten Klasse

Verpflegung – auch richtige Menüs – werden in der ersten Klasse am Platz serviert, in der zweiten Klasse zirkuliert eine Minibar, ausserdem gibt es ein Bistro. Für den Zugang mit Rollstühlen sind Hebebühnen eingebaut. Im Zug drin finden Rollstühle oder auch Blindenhunde spezielle Plätze.

Ein Dreiklassensystem kennen nur wenige Bahnen, etwa Eurostar auf der Ärmelkanalstrecke oder Ave in Spanien. Die SBB planen keine Premium-Klasse in ihren künftigen Zügen. Zu kurz sind in der Schweiz die Strecken, zu gering der Nutzen zusätzlicher Dienstleistungen, zu kompliziert die Verrechnung in einem Netz, das ohne Reservationen auskommt und von vielen Abonnenten benützt wird. Die ÖBB, die Railjets bereits nach München, Innsbruck und Budapest führen, haben in den ersten Monaten rund 87 Prozent Economy-Passagiere gezählt, 12 Prozent fuhren First und gut 1 Prozent Premium. Insgesamt fand der Zug viel Anklang, wie Gabriele Lutter, Chefin der ÖBB Personenverkehr AG, am Montag bei der Vorstellung des Zuges in Zürich sagte.

Stolz auf das Online-Ticketing

Besonders stolz sind die ÖBB auf das neue Online-Ticketing, mit dem man sich gezielt einen Sitzplatz aussuchen und reservieren kann. Obligatorisch ist die Platzreservation allerdings nicht.

Railjet sei eine schnelle Stadt-zu-Stadt-Verbindung, so Gabriele Lutter, um die Haltezeiten nicht zu verlängern, sei auf Verlademöglichkeit für Velos verzichtet worden. Die Radfahrer müssen andere Züge nehmen, und wie Eltern mit Kinderwagen zurechtkommen, wird man sehen. Verzichtet wurde auch auf ein Bordunterhaltungssystem, da heute jeder seinen eigenen Player dabei hat. Stromanschlüsse gibt es in Economy einen pro zwei Sitze, sonst einen pro Sitz (für geerdete Schweizer Stecker braucht es einen Adapter).

Ein eigentlicher Hochgeschwindigkeitszug ist der Railjet nicht, und seine Höchstgeschwindigkeit von 230 km/h wird er erst erreichen, wenn in Österreich das Trassee dafür bereit ist. Ab dem 13. Dezember fahren Railjets von Zürich nach Wien (ab 14.40 Uhr, an 22.40 Uhr) und Salzburg (ab 16.40 Uhr, an 21.59 Uhr). Der Morgenzug (Zürich ab 8.40 Uhr) wird bis 12. Juni noch als Eurocity geführt, damit die 8 Stunden eingehalten werden können, bekommt er hinten und vorne eine Lokomotive; das spart Zeit beim Grenzstopp in Buchs.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 10.11.2009, 04:00 Uhr

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