Vor zehn Jahren war das nicht anders, als der relativ unbekannte Verkaufs- und Marketingfachmann des Softwarekonzerns Oracle zum obersten Tourismusförderer gewählt wurde – und sich dabei gegen eine Reihe von Insidern durchsetzte. Egal, wenn der Mann kein Branchenwissen hat, sagte man sich bei Schweiz Tourismus: Dafür kann er verkaufen und weiss, wie man das in Zeiten von Internet und E-Commerce macht.
Hohe Erwartungen erfüllt
Schmid hat die hohen Erwartungen erfüllt: Das touristische Image der Schweiz kann sich heute sehen lassen, der Auftritt ist modern, technisch auf dem neusten Stand. Darauf ist der Touristiker stolz: «Technologisch sind wir heute führend, denken Sie nur an die iPhone-Applikationen und GPS-Koordinaten für Wanderungen.» Den eigenen Erfolg führt er «auf ein sehr gutes Team» und auf seine Affinität zur Technologie zurück; als Branchenfremder habe er auch unkonventionelle Ansätze verfolgt.
Nicht ganz so fremd wie einst der Tourismus ist dem Betriebsökonomen die Materie SBB. Er arbeite mit der Bahn seit Jahren eng zusammen und kenne vor allem den Freizeitverkehr gut. «Schweiz Tourismus vermarktet das einzigartige Erlebnis der Schweizer Bahnen im Ausland.»
Gesucht: Verkaufstalent
Als Nachfolger von Paul Blumenthal haben die SBB ein Verkaufstalent gesucht. Und weil der oberste Billettverkäufer in Zukunft auch Fahrkarten im Handy- und Internetformat an die Kundschaft bringen muss, wissen die SBB auch Schmids Erfahrung im Umgang mit komplexen Technologieprojekten zu schätzen. Vincent Ducrot, dem Interimschef Personenverkehr, fehlt dieser Hintergrund, sodass die SBB einen Headhunter beauftragten.
Zum Chef Personenverkehr pflegt Pro Bahn Schweiz, der Verein der Bahnkunden, den direkten Dialog. Vizepräsident Kurt Schreiber begrüsst die Wahl eines externen Managers: «Eine Portion Innovation schadet den SBB sicher nicht.» Damit verbunden ist aber auch der Wunsch, unnötige Experimente in tariflicher Hinsicht bleiben zu lassen. Moderne Technik wie Handy-Tickets seien ein Gebot der Zeit. Nur: «Auch 75-Jährige müssen damit klarkommen.»
Parallele zum Tourismus entdeckt
Schmid weiss als «begeisterter und regelmässiger Bahnfahrer», dass die Schweizerinnen und Schweizer bei der Bahn höchste Qualität einfordern – «eine weitere Parallele zum Tourismus», wie er bemerkt. Von der Leistung der SBB mit dem einzigartig dichten Bahnnetz ist er «schwer beeindruckt». Ihm ist aber auch bewusst, dass dies alles aus Kostengründen heute auf dem Prüfstand ist.
Krisen hat der Touristiker schon einige erlebt: «Swissair-Grounding, Brand des Gotthardtunnels, Sars-Seuche und Banken-Crash: Das alles blieb nicht ohne Folgen und brachte Schweiz Tourismus viel Arbeit.» Das Image eines Landes aber verändere sich nicht so rasch.
Ab Frühling 2010 wird Schmid oft im Zug anzutreffen sein. Der in Albisrieden aufgewachsene Zürcher bleibt, trotz Arbeitsplatz in Bern, mit der Familie in Uitikon-Waldegg wohnen, wo die drei Kinder verwurzelt sind. Dadurch erhält eine noch grössere Familie Zuwachs – die der Berufspendler.
(Tages-Anzeiger)