Morgen teilt er mit, wie es mit der UBS weitergehen soll: CEO Oswald Grübel bei einer Zahlenpräsentation. Bild: KEYSTONE/AP
«Selten wurde ein Investorentag mit einer solchen Spannung erwartet», schreibt die Zürcher Kantonalbank in einem Research-Bericht über den morgigen Anlass der UBS. Die Analysten erwarten, dass die Schweizer Grossbank aufzeigt, wie sie den Weg aus ihrer Krise finden kann. Auch für das dritte Quartal musste sie wieder einen Verlust von 564 Millionen Franken vermelden.
Fünf Fragen dürften die Analysten morgen besonders interessieren:
Wachstumshoffnung Investmentbanking
Laut einer Studie der Investmentbank Morgan Stanley liegt das grösste Wachstumspotenzial für die UBS im Investmentbanking. Die überraschend hohen Gewinne der Credit Suisse und anderer Grossbanken gehen ebenfalls auf diesen Geschäftsbereich zurück. Zentral für die UBS ist hier der Unterbereich «Fixed Income, Currencys & Commodities». Er umfasst im Wesentlichen den Handel mit allem ausser Aktien. Den Fehlinvestition dieses Bereichs verdankt die Bank die Krise, die sie ohne Staatshilfe wohl kaum überlebt hätte. In jüngster Zeit hat die UBS viel in den Wiederaufbau dieses Bereichs investiert. Trotzdem glauben die Analysten von Morgan Stanley nicht, dass es der Schweizer Grossbank gelingen wird, hier bald wieder an die Weltspitze aufzuschliessen: Der Abstand sei schlicht zu gross. Wie die Zürcher Kantonalbank in einer Studie schreibt, versuchen zudem auch andere gestrauchelte Banken hier wieder aufzuholen.
Auch die Bemühungen der UBS, den Abfluss von Kundengeldern zu stoppen, dürfte eine Herausforderung bleiben. Laut der Studie von Morgan Stanley wird es noch einmal ein Jahr dauern, bis die Schweizer Grossbank hier das Ruder herumreissen kann. Die UBS selbst hat bisher auch noch keine Trendwende angekündigt. Die Grossbank hat in diesem Bereich laufend die Margen gesenkt, was ebenfalls auf den Gewinn drückt. Für das vierte Quartal hat sie eine Trendumkehr angekündigt. Wie sie das angesichts der scharfen Konkurrenz anderer Banken und dem nach wie vor angeschlagenen Ruf schaffen kann, wird man morgen genauer wissen wollen.
Integration soll Stellen kosten
Ein Weg um die Profitabilität zu steigern, soll eine stärkere Integration aller Bankaktivitäten bringen. Die Zeitung «Sonntag» will wissen, dass vor allem das «Corporate Center» massiv an Bedeutung gewinnen soll. 20'000 der künftig geplanten insgesamt 65'000 Mitarbeiter sollen alleine für diese Einheit arbeiten. Daher sollen Stellen gestrichen werden. Das «Corporate Center» stellt Dienste zur Verfügung, die allen Bereichen nützen: so etwa die Personalabteilung, die Informatik, die Materialversorgung, den Gebäudeunterhalt, die Administration und die Kommunikation. Schon bei der Credit Suisse hat Oswald Grübel eine Integrationsübung durchgezogen. Laut der ZKB hat er an einem Investorentag dieser Bank Ende 2005 die dadurch erreichbaren Synergien mit 3 Prozent der Kosten und 4 Prozent der Erträge angegeben. Geht man von denselben Effekten auch bei der UBS aus, müsste sich das im Jahr 2011 in einer Gewinnsteigerung um 25 Prozent im Jahr 2011 niederschlagen.
Bleibt als Problembereich das Vermögensverwaltungsgeschäft in den USA. Der Bereich besteht zum grössten Teil aus der im Jahr 2000 für 18 Milliarden Franken gekauften Paine Webber. Die Akquisition hat den Schweizern wenig Freude bereitet, sie war chronisch unprofitabel: Zwischen 2001 und 2008 lag das Verhältnis laut ZKB von den Kosten zu den Erlösen bei 101 Prozent. Im übrigen Vermögensverwaltungsgeschäft lag dieses Verhältnis bei bloss 57 Prozent. Nachdem bereits über einen möglichen Verkauf des Amerikageschäfts spekuliert worden war, legte Oswald Grübel das Bekenntnis ab, dieses selbst wieder profitabel machen zu wollen. Als Schritt in diese Richtung wurde die Einstellung von Robert McCann zum neuen Leiter des Bereichs interpretiert. Doch auch bei der Credit Suisse hat Grübel versucht, einst den Gerüchten um einen Verkauf der Winterthur-Versicherung den Wind aus den Segeln zu nehmen. Nachdem er diese Braut dann aber gut ausstaffiert hat, wurde sie zu einem guten Preis an Axa verkauft. Daher werden nicht bloss die offiziellen Verlautbarungen am Investorentag interessieren, mindestens ebenso werden es die Zwischentöne sein, die es dann zu interpretieren gilt.
( Tagesanzeiger.ch/Newsnet )