Die UBS will mehr Geld

Von Arthur Rutishauser . Aktualisiert am 19.03.2010
Die Aktionäre der Grossbank sollen neues Kapital in der Höhe von 6 Milliarden Franken bewilligen. Der Schritt geschieht offenbar auf Druck der Finanzmarktaufsicht Finma.
Der Antrag auf eine Kapitalerhöhung überrascht: Passanten vor einem Werbeplakat der UBS. Bild: KEYSTONE/AP

Die Ankündigung ist gut versteckt. In der Einladung zur ordentlichen Generalversammlung, wie sie in allen grösseren Zeitungen publiziert wird, ist von der Schaffung von bedingtem Kapital und der Genehmigung von Artikel 4a Abs. 4 der Statuten die Rede. Nur in der offiziellen Traktandenliste für die GV vom 14. April ist ersichtlich, um was es wirklich geht. Hier werden die Aktionäre aufgefordert, aufgrund der «jüngsten regulatorischen Entwicklungen» der Schaffung von bedingtem Kapital mit 38 Millionen Franken Nennwert zuzustimmen. Nennwert, das heisst der Wert der auf der Aktie aufgedruckt ist, und nicht etwa der Wert, den das Papier an der Börse hat. Da jede Aktie der UBS (UBSN 12.9-0.23%) einen Nennwert von 10 Rappen hat, gibt also die UBS 380 Millionen neue Aktien aus. Jede dieser Aktien kostete gestern 16.45 Franken. Somit kommt man auf eine Kapitalerhöhung von 6 Milliarden Franken, die hier vorbereitet wird. Gemäss Angaben der UBS soll dies nicht in Form einer Ausgabe von mehr Aktien, sondern in Form einer Wandelanleihe erfolgen. Laut UBS wird damit das Kernkapital (Tier 1) nochmals um maximal 10 Prozent erhöht.

Die fünfte Kapitalerhöhung

Man folgt offenbar demselben Muster wie bei der Zwangsanleihe des Bundes oder des singapurianischen Staatsfonds Singapore Investment Corporation (GIC). Und all dies geschieht offenbar nicht ganz freiwillig. Alain Bichsel, Sprecher der Eidgenössische Finanzmarktaufsicht (Finma), sagt jedenfalls, man begleite die Kapitalbildung bei der UBS «sehr eng».

Die erneute Kapitalerhöhung der UBS, mittlerweile die fünfte seit dem Ausbruch der Krise, überrascht. Denn UBS-CEO Oswald Grübel sagte bereits letzten Sommer, nach Kapitalerhöhung Nummer drei, die Bank sei gut kapitalisiert und brauche kein neues Geld. Seither sind sowohl das Kernkapital wie auch das Aktienkapital im engeren Sinn massiv gestiegen, und die Bilanz wurde verkürzt. Offenbar hat Grübel mit dem Aufseher ernsthafte Differenzen in der Frage, wie hoch die Kapitalisierung denn nun sein soll. Laut UBS-Sprecher Dominique Gerster ist der Antrag zur Schaffung von bedingtem Kapital «eine Massnahme im Rahmen der vorausschauenden Planung und Kapitalbewirtschaftung von UBS».

Rohner und Kurer Absolution erteilen

Neben dem neuen Kapital will die UBS gleich auch die Aktionäre dazu bringen, der alten Garde um Marcel Ospel, Marcel Rohner und Peter Kurer die Absolution zu erteilen. Die Generalversammlung soll, wie der «Tages-Anzeiger» bereits am Mittwoch berichtete, den ehemaligen Verwaltungsräten und der Geschäftsleitung für die Jahre 2007 und 2008 die Décharge erteilen. Bisher wurde dies nicht gemacht, damit allenfalls Verantwortlichkeitsklagen eingereicht werden können.

Klage einreichen will der Aktionärsvertreter Hans-Jacob Heitz – gegen die Verwaltungsräte und Geschäftsleitungsmitglieder, die für die Auszahlung der Millionenbeträge an Peter Kurer und Marcel Rohner verantwortlich sind, die letzten Montag bekannt wurden. Dabei stützt sich Heitz auf den Artikel 158 zur Ungetreuen Geschäftsbesorgung, der im Falle einer Verurteilung eine Freiheitsstrafe «bis zu drei Jahren» oder eine Geldstrafe bewirkt.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 19.03.2010, 06:13 Uhr

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