Der Name Studer, der vom Industriegebäude in Regensdorf prangt, ist in der Fachwelt der Tonstudios ein Begriff. So wie Revox bei Musikliebhabern und ambitionierten Tonbandfans. Dabei war Willi Studer, Gründer, Chef und Alleinbesitzer des Unternehmens, 1912 noch unter einem anderen Namen in Zürich geboren worden. Als Verdingbub Wilhelm Mosimann kam er zu einer Familie Studer ins Bernbiet und konnte später deren Familiennamen tragen.
Er schloss nur die Grundschule ab und arbeitete dann als Radioelektriker. Der junge Mann war von der jungen Technik begeistert, demontierte und montierte alle Apparate in seiner Reichweite und las jeden Fachartikel in den Zeitschriften, die seine Chefs abonniert hatten. Kühn gründete er mit 19 Jahren eine Firma und baute Radioapparate der Marke Tell. Doch der Konkurs liess nicht lange auf sich warten.
Hervorragender Ruf
Nachdem er für einen Importeur amerikanische Tonbandgeräte anpassen musste, sagte er sich, eigentlich könnte er das besser, und konstruierte ein eigenes Tonbandgerät. Zunächst unter dem Namen Dynavox, ab 1951 unter der Marke Revox entwickelte Studer nun einen Typ nach dem andern. Neben den für (zahlungskräftige) Privatkunden bestimmten Revox-Tonbandgeräten baute er für professionelle Tonstudios die Studer-Tonbandmaschinen.
In der Hochkonjunktur der Nachkriegsjahre blühte Studers Firma auf. 1958 beschäftigte sie 120 Leute und kaufte in Regensdorf Bauland für ein richtiges eigenes Fabrikgebäude. Studer baute Zweigwerke auf, gründete Vertretungen in aller Welt. 1969 arbeiteten 700 Personen im Unternehmen, 1980 bereits 1600. Die Tonbandgeräte, Plattenspieler und Lautsprecher der Marke Revox hatten einen hervorragenden Ruf. Tonbandmaschinen und Mischpulte der Marke Studer waren überall im Einsatz, wo Musik aufgezeichnet wurde. In den Abbey Road Studios in London nahmen die Beatles ihre Platten mit einer Studer-Ausrüstung auf, Studios in Hollywood, Nashville, Paris, Rom und Winterthur schwörten auf Studer, sämtliche SRG-Studios ebenso, in Opernhäusern und an Olympiaden kamen die Anlagen zum Einsatz.
Unternehmen wurde zu gross
Der Autodidakt wurde 1978 doch noch mit einem akademischen Titel ausgezeichnet, die ETH ernannte ihn zum Ehrendoktor der Technischen Wissenschaften. Als Entwickler war Studer ein Genie, als Mensch hochanständig und sehr bescheiden. Doch dann tappte er in die Falle, die schon manchem Selfmademan zum Verhängnis wurde: Das Unternehmen, das er mit riesigem Fleiss und Engagement führte, wurde zu gross. Mit 2000 Angestellten und einem weltumspannenden Vertriebs- und Servicenetz war die Firma nicht mehr geeignet, von einem Patron im Alleingang dirigiert zu werden.
Die Elektronik machte in den 80er- Jahren gewaltige Fortschritte, Studer konnte nicht immer mitziehen, die grossen Konzerne gaben den Ton an. Tragisch endete Studers Versuch, sein Lebenswerk zu retten. Übernahmeofferten von Multis wie Alcatel, Siemens, Sony und Philips schlug er aus, weil seine Firma schweizerisch bleiben sollte. So kam Studer-Revox in den Besitz der damaligen Motor-Columbus, die (mit wenig Geschick) versuchte, von der Elektrizitätswirtschaft weg zu diversifizieren. Der Personalbestand wurde massiv verringert, die Firma zweigeteilt und verkauft. Revox fristet heute ein Nischendasein, Studer landete beim amerikanischen Harman-Konzern, der inzwischen selber in Schwierigkeiten steckt und Sparkampagnen durchführt. Willi Studer starb 1996; bis zuletzt hatte er mit eigenem Geld versucht, Teile seines Unternehmens zu retten.
(Tages-Anzeiger)