Seither kündigen Englands Reiche via Medien reihenweise eine Konsequenz an: Wir wandern aus – und zwar am liebsten in die Schweiz.
Dies meldete zum Beispiel Hugh Osmond, Financier, Gründer der grössten Pizzakette im Land, Besitzer der grössten Pub-Kette und 230-millionenfacher Pfundmillionär. «Viele Leute gehen weg», sagte Osmond der «Sunday Times». «Es ist sehr unwahrscheinlich, dass Grossbritannien mein Wohnsitz bleibt. Es ist genauso einfach, woanders zu arbeiten – zum Beispiel in der Schweiz.»
«Ich könnte in die Schweiz oder nach Zypern»
Ähnliches sagte Robert Pfeiffer, Partner des Consulting-Unternehmens Compass Advisers: Er und die anderen Partner der Firma prüften einen Wechsel nach Genf. «Möchten wir den Aufwand des Umzugs? Wohl kaum. Aber es gibt einen Punkt, wo ein Verbleib ökonomisch schwer zu rechtfertigen ist», sagte er der «Times». Und über die Agentur Bloomberg verkündigte Hedge-Fund-Manager Demetris Efstathiou: «Es gibt andere attraktive Länder. Ich könnte in die Schweiz oder nach Zypern. Ich könnte sogar nach Asien. Wenn man in England bleibt, gibt man der Regierung am Ende mehr als man behält.»
Die Regierung von Gordon Brown muss ernsthaft befürchten, dass dies keine Einzelfälle bleiben. Das Centre for Economics and Business Research, ein Londoner Think Tank, gab soeben eine erste Schätzung heraus: Rund 25'000 Steuerzahler der obersten Klasse dürften wegen des neuen Steuerregimes den Wohnsitz wechseln – und ein Hauptziel der Flüchtlinge sei die Schweiz.
«Sie werden diese Pläne jetzt ausführen»
Hier tut sich eine Kehrseite des grossen Steuerstreits auf: Auf der einen Seite machen Wirtschaftsnationen wie Grossbritannien, Deutschland, Frankreich und auch die USA Druck gegen die so genannten Steueroasen; auf der anderen Seite fordern sie mehr Geld von Reichen in ihrem Land. Viele von diesen wiederum sind nun versucht, ihre Steuern völlig legal zu optimieren: per Wohnsitzwechsel.
«Es wird erfolgreiche Unternehmer geben, welche sich nun entschliessen, in die Schweiz oder nach Irland zu ziehen», sagt auch Stanley Fink, ehemaliger CEO des Hedge-Fund-Konglomerats Man. «Ich kenne selber einige Personen, die aktiv Pläne zum Auszug machten, als die Labour-Regierung eine 45-prozentige Spitzensteuer ankündigte. Und sie werden diese Pläne jetzt ausführen.»
( Tagesanzeiger.ch/Newsnetz )