Konsumenten: Migros erschwert Preisvergleiche

Aktualisiert am 28.03.2009
Die Migros wird die Preise ihrer Produkte künftig am Regal anschreiben. Wenig begeistert ist der Konsumentenschutz: Preisvergleiche würden so noch schwieriger.

Auch bei der Migros werden die Preise künftig nicht mehr auf Produkten, sondern am Regal stehen. Die Migros-Delegierten haben am Samstag der neuen Regelung deutlich zugestimmt, wie der Branchenleader mitteilte. Ob dereinst ein Code oder der Preis als Zahl am Regal steht, ist heute noch offen. Die Migros-Leitung werde sich nun daran machen, das Projekt im Detail auszuarbeiten und umzusetzen, sagte Migros-Sprecherin Monica Glisenti auf Anfrage. Es werde noch etwa zwei Jahre dauern, bis es soweit sei.

Migros will jedoch Ausnahmen von der Regel zulassen: Vor allem im Non-Food-Sortiment - etwa bei Textilien oder Spielwaren - und im Frischesortiment würden auch in Zukunft die Preise auf den Produkten selber angeschrieben, teilte der Grossverteiler mit.

Kosten senken

Mit der Regalanschrift könnten Kosten gesenkt und das gesparte Geld in tiefere Preise investiert werden, wird Ursula Nold, die Präsidentin der Migros-Delegiertenversammlung, im Communiqué zitiert. Auch sei es ökologischer Unsinn, wenn wegen veralteter Preise, Verpackungen vernichtet werden müssten.

Umfragen bei der Kundschaft hätten zudem ergeben, dass die Preisanschrift am Produkt zwar geschätzt werde, bei der Regal- Preisanschrift aber die Kunden-Vorteile überwiegen würden, schreibt die Migros weiter. So könnten die Preise schneller verglichen werden, ohne jedes einzelne Produkt in die Hand nehmen zu müssen. Zudem stimme der Preis am Regal mit dem Preis überein, der an der Kasse bezahlt werden müsse. Dies sei durch die unzähligen Preisabschläge in der Vergangenheit nicht immer der Fall gewesen und habe die Kundschaft zusehends verunsichert.

Konsumentenschutz: Weniger Transparenz

Die Stiftung für Konsumentenschutz (SKS) kritisiert indes den Entscheid der Migros-Delegierten. Für die Konsumentinnen und Konsumenten bedeute der Entscheid weniger Transparenz und weniger Überblick. Migros sei der einzige Schweizer Grossverteiler, der bisher noch die Preise an den Produkten angebracht habe. Nun jedoch gebe sie diesen Vorsprung in Sachen Kundenfreundlichkeit auf. Wer nämlich die Preise längerfristig vergleichen und im Auge behalten wolle, stehe mit Produkten ohne Preisangabe auf verlorenem Posten.

Eine repräsentative Umfrage des Konsumentenmagazins «KTipp» habe ergeben, dass 70 Prozent der Befragten die Preisetikette auf den Artikeln wollten. Diese Preisangabe sei verlässlicher, transparenter und lasse sich auch an der Kasse und zu Hause nachvollziehen.

Coop und Denner schreiben Preise am Regal an

Bereits heute schreiben Coop und Denner ihre Preise an den Regalen an. Dass die Migros nun nachzieht, kann die SKS nicht nachvollziehen. Die Migros habe immer beteuert, dass sie bei ihrer Praxis bleibe, die Preise auf den Produkten anzuschreiben.

(vin/sam/sda/ap)

Erstellt: 28.03.2009, 15:57 Uhr

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